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Dave Angel

»A Time and Place«

R&S Records

Als Tech-Funk-Legende Dave Angel ankündigte, sich auf einem Album ausführlicher seinen Einflüssen aus Jazz und Soul zu widmen, durfte man skeptisch sein. Schließlich hatten diese Stilrichtungen schon immer einen hohen Stellenwert in seiner Musik, besonders auf »Tales of the Unexpected«, seinem Geniestreich aus den mittleren 1990ern. Angel hatte diese Einflüsse stets auf die richtige Weise verarbeitet: nicht als stilistische Vorgabe, sondern als musikalische Sensibilität. Nun liegt »A Time and Place« endlich vor, sein erstes Album seit »Frame by Frame« von 2011. So schnell vergeht die Zeit: Dave Angel wird in diesem Jahr 60. Dass man mit zunehmendem Alter gelassener werden darf, stellt er jedenfalls unter Beweis. Der Trompeter Steve Waterman steuert zu mehreren Tracks gelungene Improvisationen bei, die an den Miles Davis der späten 1950er-Jahre erinnern – also eher »Ascenseur pour l’échafaud« als »Bitches Brew«. Auch Techno, inzwischen selbst rund 40 Jahre alt, kann eine kleine Geschichtsstunde sein. Dem Club-Sound bleibt Angel auf »A Time and Place« verbunden, ohne sich ihm verpflichtet zu fühlen. Mitunter klingt das, als hätten die späteren Massive Attack ihre Schwere abgelegt und sich ganz dem After-Hour-Chillout verschrieben. Im Grunde genommen macht das Album jene musikalischen Einflüsse vordergründig, die in Angels Musik durch Samples und Arrangements ohnehin schon immer präsent waren. Neu ist also weniger die soulige Note als die Selbstverständlichkeit, mit der sie ins Rampenlicht tritt. Sagt man mit 60 schon »Alterswerk«? Wenn damit Reife und Überblick gemeint sind, vielleicht. Der Sound jedenfalls wirkt modern, unaufgeregt und verblüffend abwechslungsreich. Dabei ist die Sorgfalt spürbar, mit der Angel seine musikalischen Ideen ausarbeitet, ohne ihnen die Leichtigkeit zu nehmen. Ob das »noch Techno« ist, lässt sich von Track zu Track neu entscheiden. Das spielerische Moment kam bei Angel noch nie zu kurz und auf diesem Album zeigt es sich in seiner entspanntesten Form. Wer die härteren Schläge von Releases wie »Globetrotting« (1997) schätzt, könnte sie hier allerdings vermissen. Das ist der Preis für die Leichtigkeit, mit der »A Time and Place« seine musikalischen Ambitionen verfolgt. Statt auf den nächsten großen Peak hinzuarbeiten, lässt Angel der Musik Raum zum Atmen.

Home / Rezensionen

Text
Kai Ginkel

Veröffentlichung
19.10.2026

Schlagwörter

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