Cinder Well hat kürzlich ein Soloalbum veröffentlicht, und in diesem Zusammenhang hatte ich bereits erwähnt, dass mir die Künstlerin in die Aufmerksamkeit geriet, weil sie den Titelsong zu Mackenzie Crooks neuer TV-Serie zu verantworten hat, deren kompletter Soundtrack jetzt veröffentlicht wurde. Den hat Cinder Well ebenfalls in der Hauptsache ins Werk gesetzt – aber auch ein paar Gastmusiker waren beteiligt, unter anderem Steve Roach. Anlass zum Schreiben gibt mir der Soundtrack aber nicht bloß, weil er schön ist und der unaufgeregt-melancholischen Stimmung der TV-Serie entspricht, sondern weil ich so Gelegenheit habe, allen, die es noch nicht wissen, mitzuteilen, dass »Small Prophets« eine fabelhafte TV-Serie ist! Leider gibt es bisher erst eine Staffel, aber bis die zweite erscheint, kann man noch mal bzw. immer wieder »Detectorists« gucken, die andere TV-Serie von Mackenzie Crook. Beide zeichnen sich vor allem durch trockenen Humor aus. Was auch immer an Alltag die Protagonist*innen plagt, sie wahren eine gewisse Souveränität durch widerständige knappe Bemerkungen, die zum Lachen anregen und so eine gewisse Distanz zu den Zumutungen markieren, mit denen sie sich im Rahmen der Handlung auseinanderzusetzen haben. Crook versteht es, dem auf den ersten Blick langweilig erscheinenden Leben seiner Protagonist*innen eine unspektakulär ins Bild gesetzte Tiefe zu verleihen. Die Inszenierung dieser fiktionalen Charaktere erscheint deshalb so treffend und realitätsgerecht, weil ihr jeweiliges Schicksal der alltäglichen Erfahrung entspricht, dass stille Wasser tief und alle Menschen voller unerfüllter Sehnsüchte sind und das Leben ihnen Wunden geschlagen hat, die auf den ersten Blick nicht sichtbar sein mögen, weil sie aus gutem Grund gut versteckt werden – zum Beispiel hinter sarkastischen Bemerkungen. Es gilt immerhin, aller Widerfahrnisse zum Trotz, weder die Fassung noch die Nerven oder gar den Verstand zu verlieren und freundlich und einander zugewandt zu bleiben. Gut, manchmal fällt das schwer, dann – siehe oben – hilft die trockene Bemerkung zumindest für den Moment. Und es gilt stets, Zeit zu gewinnen, damit einen die Realität nicht einholt und das Leben nicht überfährt: »Pub?« Was hat das jetzt mit der Musik zu tun, um die es an dieser Stelle eigentlich gehen sollte? Nun, sie entspricht in ihrer unaufgeregten und auf den ersten Eindruck hin schlichten Art der Inszenierung der TV-Serie, die Nähe zulässt, ohne durch umarmende Gesten aufdringlich zu wirken. Intime Ansichten kommen diskret zum Ausdruck. Ganz so wie die zarten Bande zwischen Michael und Kacey, einem ungleichen Paar, but they’re not »an item«, Gott bewahre! Im Genre der Singer-Songwriter gibt es auch kaum was Schlimmeres, als das Lied, Liebeslied im allerschlimmsten Fall, als kitschig-klebrige Nabelschau. Wenn Cinder Well im Titelsong Michaels Frage an seine abwesende Frau stellt »Will you come back, come back again?«, dann vermag sie die existenzielle Bedeutung dieser Frage gefasst vorzutragen – und eben deshalb wirkt ihr Vortrag beeindruckender als jede exaltiert-sehnsüchtige Geste. Was halten Leute nicht alles aus, ohne zu zerbrechen. Die Musik für »Small Prophets« entspricht der TV-Serie in kongenialer Art und Weise. Understatement sollte mit Unbeholfenheit nicht verwechselt werden.
Cinder Well
»Small Prophets (Original Soundtrack)«
Hen House Studios
Unterstütze uns mit deiner Spende
skug ist ein unabhängiges Non-Profit-Magazin. Unterstütze unsere journalistische Arbeit mit einer Spende an den Empfänger: Verein zur Förderung von Subkultur, Verwendungszweck: skug Spende, IBAN: AT80 1100 0034 8351 7300, BIC: BKAUATWW, Bank Austria. Vielen Dank!











