Globale Gegenwartskultur lässt sich kaum auf einen Nenner bringen oder konkret verorten. Folgerichtig somit, dass sich das Positive Futures Festival nicht nur den Plural von Zukunft auf die Fahne geheftet hat, sondern auch das Attribut außernational. Das klingt fast schon außerirdisch, zumindest aber wie das Eingeständnis, dass es eine solche Welt – noch – nicht gibt. Jedoch lässt sie sich, argumentierbar mit dem Anspruch dieses feinen Festivals, temporär über Musik und Kunstformen generell behaupten und bauen.
Zukunftsvisionen
Diese Art von Weltkonstruktion müsste dann Orte und Zielgruppe erst finden. Oder aber, wie im vorliegenden Fall, sich beides einfach kurzerhand selbst errichten. Durch kühne, Genre-ignorierende Ansätze, durch abenteuerliche Programmierung und letztlich durch etwas, das den ganzen theoretischen Überbau im Augenblick der unbedingten Rezeption gar nicht braucht: Musik auf der Höhe der Zeit, die auf die Komplexitäten der Gegenwart Bezug nimmt.

Orte für diese mehr als überzeugenden Versuche der Komplexitätsbewältigung und Zukunftsverortung finden sich in der Tiroler Landeshauptstadt tatsächlich zuhauf. Da wären etwa: Das Theater Präsent, die Pfarrkirche Mariahilf, das Treibhaus, die Arche Ahoi, die Stadtbibliothek, der Kulturbogen 55, die P.M.K., das Leokino, Die Bäckerei, St. Bartlmä oder das Cinematograph. Wer also bislang glaubte, Innsbruck sei angesichts der Tatsache, dass sich immer weniger sogenannte große Acts hierher verirren, zukunftslos, irrt gewaltig. Bereitwillig öffnen diese Lokalitäten Tür und Tor für Zukunftsvisionen und den besagten Genre-offenen Ansatz des Positive Futures Festivals.
Genre-Schnittstellen
Was wiederum den Fokus bereits auf die Acts wirft, die diesen Ansatz vom 15. bis 18. und vom 22. bis 25. Oktober 2026 mit Leben füllen. Darunter befinden sich beispielsweise Raül Refree & Niño de Elche, Circuit des Yeux feat. Alan Sparhawk, Heinali & Andriana-Yaroslava Saienko oder auch Aya. Allein diese Auswahl zeigt schon die enorme Stilpluralität, die den Anspruch des Festivals vorantreibt. Während das spanische Duo Raül Refree & Niño de Elche Flamenco transzendiert und diesem Ambient, Post-Pop oder psychedelischen Folk anfüttert, operiert Aya am Puls der Club-Gegenwart an der Schnittstelle zwischen dekonstruierter Clubmusik und experimenteller Elektronik.

Beseelt und beglückt von solch diversen Ansätzen, Zugängen und klanglichen Ausdrucksmöglichkeiten, lässt sich dann sicherlich auch das einüben, was beim Positive Futures Festival gewollt ist: Empathy Over Opinion. Damit setzt das Festival unter der künstlerischen Ägide von Mastermind Martin Bleicher nicht zuletzt einen Kontrapunkt in Zeiten, in denen es so oft um Abgrenzung und Polarisierung geht. Das ist wohltuend und zugleich überwältigend.











