Die Verlierer © Gael Pettinaroli
Die Verlierer © Gael Pettinaroli

Noch nicht verloren

Ende September 2026 brachten Die Verlierer ihr drittes Album »Ideale« heraus. Im Interview mit skug erzählt Bandmitglied Hannes von Kriegserklärungen, Tracklist-Missverständnissen und der Demokratie innerhalb der Gruppe.

Als vor einigen Jahren die Bands Maske und Chuckamuck aufeinandertrafen, entstand durch ein paar Mitglieder beider Gruppen ein ganz neues Projekt: Die Verlierer. Nun bringt die damals geformte Band ihr mittlerweile drittes Album »Ideale« heraus und versucht zwischen Kriegen, Rechtsruck und der Kälte der Gewalt ein kleines Punk-Fenster in die Zwischenmenschlichkeit zu öffnen. Dabei wird es mal ganz ruhig, aber auch laute Gitarren dürfen dem klassischen Stil der Band nicht abhandenkommen. Während in Talkshows konstant über die Krise der Demokratie gesprochen wird, sind Die Verlierer sogar bandintern basisdemokratisch. Und sie sind noch etwas, das man in der Demokratie nicht sein will: Verlierer. Sänger Hannes erzählt im Interview mit skug, warum sich die Band so nennt, worüber sie diskutiert und wieso eine deutschsprachige Gruppe plötzlich Konzerte in Spanien und Mexiko spielt.

skug: Wieso habt ihr euch selbst den Namen Die Verlierer gegeben?

Hannes: Selbstermächtigung. Man gibt sich den Titel und ownt es. Es hat mit Punk zu tun, dass man Leuten, die einen als Loser in einer Band bezeichnen, den Wind aus den Segeln nimmt. Die können uns da dann nicht mehr angreifen … und es ist einfach ein starker Name!

In einem Interview habt ihr kürzlich gesagt, ihr würdet viel diskutieren. Was hat euch da zuletzt beschäftigt?

Wir sind einfach eine übelst demokratische Band und fahren den Film, wenn irgendjemand gegen irgendwas ist, dann machen wir das auch nicht. Auf jeden Fall ist es total anstrengend, aber auch total spannend, so Musik zu machen. Manchmal ist es dann so, dass wir uns noch an einen neuen Sound gewöhnen müssen, wenn jemand mit einem neuen Song kommt. Zum Beispiel »Bomben« war am Anfang ein paar Bandmitgliedern zu kitschig, aber als wir darüber geredet haben, war klar, wir müssen den machen, weil der Song so ehrlich ist. 

Wieso spielt eine deutschsprachige Band internationale Konzerte außerhalb des DACH-Raums?

Wir hatten zum Beispiel mal eine Mexiko-City-Tour und da hat man gemerkt, dass Musik so kraftvoll sein kann, ohne die Lyrics zu verstehen. Da haben wir auch gecheckt, dass wir ja auch Bands hören, die nicht deutschsprachig sind. Und es ist auch witzig, wenn man die Texte erklärt und dann die Leute checken, dass sie nicht nur den Sound, sondern auch den Inhalt feiern.

Der erste Song »Ideale« ist ja eine eher düstere Bestandsaufnahme und benennt dann auch gleich das Album, wie kam es dazu?

Der Song beschreibt den Werdegang, wenn jemand, der früher total cool war und Ideale hatte, das alles über die Zeit ein bisschen vergessen hat. Gleichzeitig gibt es beim Albumtitel noch einen anderen Twist. Auf dem Backcover haben wir dazu einen Dreizeiler geschrieben: Wir haben Ideale in uns, Ideale haben Kraft. Wir können jeden Tag Entscheidungen treffen, die etwas verändern. Wir müssen nicht versauern im Warteraum der Zukunft.

Die letzte Zeile des Albums »In Zeitlupe kann man die Welt nicht retten« erinnert an diesen Dreizeiler.

Auf jeden Fall. Das Album endet bewusst mit diesem Satz. Wir können nicht lethargisch an alten Sachen festhalten und vor allem in Berlin unpolitisch dahinfeiern. Da müssen wir schneller sein und auf Entwicklung reagieren. Da geht es auch ums Versagen der Parteien, auf den Rechtsruck zu reagieren, weil man gescheitert ist, die wirklichen Probleme zu erkennen.

Wie äußert sich dann ein Song wie »Eiszeit«, der ein eher dystopisches Bild zeichnet?

Bei »Eiszeit« geht es um eine Kriegserklärung an Kriegserklärer. Der kam vor allem zu der Zeit, als der Ukrainekrieg losging und Russland den Angriffskrieg gestartet hat, das ist leider noch immer aktuell. Außerdem stammt der Song eigentlich noch aus der Zeit, als Jonas und ich die Band Maske hatten. Damals konnten wir dem Lied nicht die Aufmerksamkeit geben, die es verdient. Also haben wir uns quasi selbst gecovert.

Die Verlierer © Gael Pettinaroli

Der zweite Song des Albums heißt »Outro« und es gibt auch noch »Intro« mittendrin, was steckt da dahinter?

Es ist so witzig, dass sich das viele als Fakt rausgepickt haben. Tatsächlich ist der zweite Song »Outro« einfach das Outro von »Ideale« direkt davor. Und »Intro« ist eben das Intro zu »Eiszeit«, das danach kommt.

Also ist das kein Unterwandern der klassischen Anordnung?

Natürlich auch ein bisschen. Durch die Benennung spielen wir damit, aber mehr ist es nicht.

Wie war eigentlich die erste Resonanz aufs Album?

Wir bekommen echt gute Kritiken und vor allem bei »Bomben« habe ich richtig persönliche Nachrichten bekommen, weil der Song Leute abgeholt und berührt hat. Das zu merken, war ein toller Moment.

Auf »Bomben« geht es viel um Zwischenmenschlichkeit. Geht es dann am Ende um die Menschen um uns herum, die uns weitermachen lassen?

Auf jeden Fall. Bei »Bomben« war es so, dass ich einen Antikriegssong schreiben wollte, der nicht komplett in eine Negativität verfällt und jetzt auch nicht Antworten, aber ein bisschen Hoffnung liefert. Die Idee kommt von einer Theorie meiner Freundin. Sie meinte, dass die Leute, die Entscheidungen treffen, Kriege zu führen, und sich daran bereichern, wahrscheinlich nie wirklich Liebe erfahren haben. Ich glaube das stimmt auch voll. Wir haben Liebe um uns herum, nicht nur romantisch, sondern auch familiär oder freundschaftlich und das gibt uns Kraft, um nicht komplett den Verstand zu verlieren. Wie kann man, wenn man Liebe erfahren hat, eine Bombe abfeuern?


Das neue Album »Ideale« von Die Verlierer kam am 25. September 2026 heraus. Wer sich live von der neuen Platte überzeugen will, hat am 15. Oktober 2026 in der Flucc Wanne in Wien die Möglichkeit dazu.

Link: https://dieverlierer.de/

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