»In God We Trust« – dieser Aufdruck auf dem US-Dollar-Schein (seit 1956) suggeriert indirekt das Vertrauen in Geld, doch bei näherer Betrachtung handelt es sich um ein Symptom. Gottesglauben wurde abgelöst von der Geldanbetung, lautet ganz kurz gefasst das Fazit im Buch »›Moneyismus‹ – der naive Glaube an Geld« von Paul Kellermann, emeritiertem Professor der Universität Klagenfurt, das 2025 in der Soziologie-Reihe des Lit Verlags erschien. Gemäß Kellermann sollte das funktionale Wesen des Geldes dem globalen Gemeinwohl dienen, wozu »allerdings Wirtschafts- und Währungssysteme sowie Konsum und Investition qualitativ und quantitativ gesellschaftspolitisch aufeinander abgestimmt werden müssten«. Angesichts dysfunktionaler globaler Institutionen und diverser Nationalismen (leider insbesondere auch in der EU) ein gegenwärtig nicht mögliches Unterfangen.
Glaube statt Vertrauen
Die Formulierung »In God We Trust« ist einer Zeile der US-amerikanischen Nationalhymne »The Star-Spangled Banner« entlehnt: »And this be our motto: ›In God is our trust‹«. Zwar ist dieser »Vertrauenssatz« auf der US-Dollar-Note auf den Kalten Krieg zurückzuführen, um das amerikanische Volk gegen den »gottlosen Kommunismus« zu vereinen – eine »Errungenschaft«, die auf das Lobbying des christlich-fundamentalistischen Netzwerks International Christian Leadership zurückzuführen ist, – doch 70 Jahre später ist das nur noch eine Randnotiz. Geld regiert nicht, sondern »dient« der Zerstörung der Welt. Kellermann rückt zurecht: »Das Primäre ist die Wirtschaft als produktives System, das Sekundäre Geld als Organisationsmittel.« Die heute überbordende »Finanzwirtschaft« müsse wieder zum »Diener der Realwirtschaft werden«.

Das korrupte Trump-Regime reguliert die Finanzwirtschaftswelt der immer faschistischer agierenden Tech-Investoren noch weniger als demokratische Regierungen. Dass sich mit Geld alle Probleme dieser Welt lösen ließen, ist ein fataler Irrglaube. Treibstoff und Zünder der Krisen ist eine Ideologie, die Geld über alles stellt. »Der Wohlstand der Nationen (Adam Smith 1976) – und im Fall vernünftiger Beteiligung damit auch für Bürger und Bürgerinnen – entsteht durch zweckmäßige Organisation des qualifizierten Arbeits- und des entwickelten Produktionsvermögens nach gesellschaftlichem Bedarf. Geld ist dabei ein funktionales Mittel, aber sein Gewinn nicht Zweck des Wirtschaftens.«
Eine der zahlreichen Fußnoten unterstreicht, worum es Kellermann, verdeutlicht durch sehr viele Redundanzen, geht: »Das ist wohl der wesentliche Unterschied zwischen Volks- und Betriebswirtschaft: Der kreuzweise Wechsel von Zweck und Mittel, also von volkswirtschaftlicher Bedarfs- und betriebswirtschaftlicher Gewinnorientierung.« Volkswirtschaftliches Agieren hat immer auch das Gemeinwohl im Blick, weshalb Kellermann in einem funktional eingesetzten Grundeinkommen einen Segen für das Gemeinwesen sieht: »Wer ohne Angst vor Verarmung zu leben gelernt hat, schätzt Kontakt, Anerkennung und Selbstachtung in freier Tätigkeit mehr als Geldgewinn.«

Vertrauensbrüche
Das Buch liefert exakte Einblicke in die Entwicklung des Geldwesens von den Ursprüngen bis heute und immer wieder schimmert die zentrale Erkenntnis durch: »Moneyismus ist gedankenlose Geldgläubigkeit.« Wenngleich im Nachwort die Zukunftsaussichten (Überbevölkerung, Ressourcenverschwendung, Zerstörung der Biodiversität, Kriege etc.) ziemlich düster zu deuten sind, so gäbe es doch Auswege, könnte die Polarisierung durch die Empörungsunkultur im Netz überwunden und die Macht der manipulierenden Tech-Giganten mit deren Hauptwährung Aufmerksamkeit gebrochen werden. Sinnhaftes Geld sind nicht Kryptowährungen, stattdessen sollte eine Rückbesinnung auf Ersatzwährungen in Krisenzeiten erfolgen. So gab es in gewissen Gebieten in Österreich während der Hyperinflation Anfang der 1930er-Jahre ein provisorisches Regionalgeld. Außerdem wird gemäß Benediktus Hardorp und André Presse angedacht, die Besteuerung der Einkommen und Erträge durch die Besteuerung des Konsums zu überwinden.
Selbstverständlich sollten auch Überreiche mit Steuern bis zu 90 Prozent, wie es während und nach dem Zweiten Weltkrieg möglich war, belegt werden. Da wir in einer Geldgesellschaft leben, wird durch Geld Macht erkauft. Gefährliche Superegos haben in den USA den Staat gekapert. Doch auch in Europa »herrscht« Demokratieversagen. Allzu groß ist der Einfluss der Konzerne mit ihrem Lobbyismus. Dadurch entgleitet den Bürger*innen die Kontrolle über ihr Leben, weil die Politik mit dem Zulassen von Gesetzeskauf das Vertrauen in eine positive Zukunft gebrochen hat. Nicht auszudenken, was bei einem Zusammenbruch des global vernetzten kapitalistischen Geldsystems – der Glaube an die gegenüber der Realwirtschaft überproportionale Finanzwirtschaft beruht nicht auf Vertrauen – passieren würde. Die Politik und somit jede*r Bürger*in ist gefordert, die Macht und somit Kontrolle über den Fortbestand einer die Menschenrechte und Natur achtenden Zivilisation zurückzugewinnen.












