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Sigh

»Goh-Ka«

Peaceville

Sigh waren mal eine japanische Black-Metal-Band. So wie Opeth mal eine Death-Metal-Band waren. Deren Mikael Åkerfeldt hat einen Gastauftritt auf »Goh-Ka«, dem neuen, Genregrenzen weit hinter sich lassenden, opulenten Doppelalbum von Sigh. Progressive Rock, Psychedelic Rock, Black Metal, klassischer Heavy Metal, Versatzstücke elektronischer Musik, Elemente japanischer Folklore – das alles und noch mehr ist drin in diesem durch und durch abwechslungsreichen und atmosphärisch dichten Album. Über eine Stunde Spielzeit, keine Sekunde davon langweilig. Bands wie Sigh kann man gar nicht genug wertschätzen. Über Jahrzehnte hinweg entwickeln sie sich weiter, raffinieren einen unverkennbar eigenen Stil, und die Qualität ihrer späteren bzw. jeweils aktuellen Alben ist nicht zuletzt Ausdruck nie versiegender Kreativität und Neugier. Sicher ist es ein Vorteil, dass stilistisch idiosynkratische Bands wie Sigh, die sich in ihren seltsamen musikalischen Welten einrichten wie exotische Tiere in empfindlichen Ökosystemen, sich weniger dem Druck aussetzen, Erwartungshaltungen jenseits ihrer eigenen erfüllen zu müssen. Nichts verwässert die künstlerische Vision, und sämtliche kalkulierenden Gedanken können die Produktmanager von Plattenfirmen für sich behalten. Oder andersrum: Man soll das Publikum nicht unterschätzen, es möchte ja nicht nur unterhalten, sondern auch herausgefordert werden und honoriert relativ scheuklappenfreie Herangehensweisen. Der Erfolg – auch außerhalb der Nische – von Bands wie Opeth, Blood Incantation oder Imperial Triumphant (die mit Sigh auf Tour waren) zeigt, dass im (nicht zufällig vage betitelten) Genre des Extreme Metal viel Platz für Experimente und Ausflüge in genrefremde Gefilde ist. Zusätzlich gilt: Musiker*innen sind auch Fans, sammeln Platten und sind musikhistorisch ebenso informiert wie interessiert. Nun ist es durchaus ein heikles Unterfangen, unterschiedliche Stile und Einflüsse in die eigene Musik zu integrieren. Das kann schwer nach hinten losgehen. Aber nicht so im Fall von Sigh. Von Magma über Masanori Takahashi (Kitaro) bis Master’s Hammer nehmen sie alles mit und präsentieren, was auch immer sie darüber hinaus inspiriert, in ihrer eigenen Musik. Und wenn »Goh-Ka« zum Ende gekommen ist, dann möchte ich wie weiland Hans Rosenthal einen Luftsprung machen und enthusiastisch ausrufen: »Das war spitze!«

Home / Rezensionen

Text
Holger Adam

Veröffentlichung
12.09.2026

Schlagwörter

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