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Christophe Clébard

»Le futur c’est la drogue«

moli del tro

Das Genre Synthpunk anno 2026 zu bedienen, ist gewagt. Doch Christophe Clébard schafft auf seinem bereits sechsten Album »Le futur c’est la drogue« eine Atmosphäre, die, ein klein wenig Suicide-geschwängert, zwischen Post- und eben Synthpunk eine Freifläche besetzt, mit durchaus gutem Songwriting. Da macht es nichts, dass der Italo-Belgier selbstbewusst auf Französisch singt. Diese Sprache passt einfach gut zu diesem Sound und wenn, wie in »Je te trouve pas – Philippe, au revoir«, dem vorletzten Song mit wunderschönem Synthie-Outro, sogar so etwas wie schunkelnde Kirtagsklänge tänzelnd aufblitzen, ist es um den Rezensenten geschehen. Zum Abschluss kommt noch »Disco Lento«, das stimmlich Alan Vegas unvergleichlichen ghostly Vocals nachempfunden scheint. Ein etwas gespenstisch wirkender Orgel-Sound dreht sich im Kreis, das stete Pumpen und Zischeln sorgt für unruhige Geisterminuten. Doch was passierte vor dem Rezensionseinstieg in dieses Vinyl-Album, das verlegt war und dank einer kleinen Sommerinventur für Freude sorgt? Also nochmal von vorn: Der Opener und Titeltrack »Le futur c’est la drogue« kommt etwas verquer daher und ist ein bedrohlich anmutender Abgesang auf die Konsumgesellschaft: »Die Zukunft ist die Droge« fadet mit unheilvollem Schwären aus. Der Nachfolger »Ton regard est encore là« verfügt hingegen über ein unschlagbar melodiöses arabisches Musik-Sample, das mit heftigem Pumpen der Synthorgel unterlegt ist. Clébards einschlägiger Post-Punk-Depro-Gesang steht in grandiosem Kontrast dazu und belebt auch die weiteren Stücke, etwa »Tu restes seul«, was der Autor dieser Zeilen nach vierjährigem Französisch-Unterricht trotz Nichtpraktizierens dieser eleganten Sprache auch nach über vierzig Jahren noch mühelos mit »Du bleibst allein« übersetzt. Darin serviert Clébard Electro-Loop-Gehüpfe, »Si donc du contrôle« trägt dagegen existenzialistische Schwere in sich. Eine ramponierte Orgel pumpt leidvoll und kommt schwer atmend zum Erliegen. Die B-Seite wartet sogleich mit einer Überraschung auf. Drumcomputer treten in den Hintergrund. Chris Irmler verschafft mit seinem metrischen Getrommel »Le chef y trans« leibhaftig Frische, sodass mensch vermeint, einen Bastard aus Can und DAF zu hören. Dann leistet sich Clébard ein Abdriften in diffuse Elektronik: Auch wenn auf »Il y a toujours des voix dans ma tête« viele Stimmen durch seinen Kopf geistern, erreicht der Song eine hypnotisch-schräge Strahlkraft. Fazit nach dem zweiten Hördurchlauf: Fantastique! Erneut nehmen »Ich finde dich nicht« – hui, mon français wird besser! – und »langsamer Tanz« gefangen … 

Home / Rezensionen

Text
Alfred Pranzl

Veröffentlichung
05.08.2026

Schlagwörter

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