Heckspoiler © nicknofuture
Heckspoiler © nicknofuture

Kirchdorf an der Krems feiert die Subkultur

Bereits seit 2013 beschallt der Jugendverein Rock im Dorf den Bezirk Kirchdorf mit vielschichtigen Sounds. Ab 31. Juli 2026 ist es wieder so weit. Das Drei-Tage-Festival steigt mit Headlinern Nenda, Uche Yara, Die Sterne, Bibiza etc. Anlass für ein E-Mail-Interview mit Booker Manuel Dicketmüller.

Oberösterreich ist mittlerweile ein Eldorado für Konzert-Locations, die zum Teil der Subkultur entsprossen sind, aber Atmosphäre verströmen. Wie die Burg Clam, wo bereits Größen von Nick Cave & The Bad Seeds bis Van Morrison gastierten. Cari Cari spielten am 30. Mai 2026 beim Frühlingsfest aka Gleinker See Open Air in Roßleithen im Bezirk Kirchdorf an der Krems. Wo der Eintritt frei ist, dürfte ein Tourismusverband dahinterstecken. Unbestritten steht skug jenen Festivals näher, die mit Herzblut das kulturelle Leben bereichern. Deswegen ist es an der Zeit, den Jugend- und Kulturverein Rock im Dorf näher vorzustellen. Und zwar anlässlich des dank dieser Institution zum unentbehrlichen Festival gereiften Rock im Dorf. Heuer findet dieses in familiärer Atmosphäre von 31. Juli bis 2. August statt und bietet neben Lokalmatadoren wie Heckspoiler fulminante heimische Live-Acts wie etwa die geniale Innsbrucker Rapperin Spilif. Verdientermaßen darf sich Rock im Dorf auch mit dem Titel »Green Festival« schmücken. Allein schon wegen des angebotenen Nachtshuttle-Services, das ein verlässliches Heimkommen ohne Stress garantiert. »Wir bringen den OÖ Speckgürtel zum Heimschläferpreis nach Hause« ist ein leiwander Spruch, der nach Ende des Festivalprogramms die Busrouten Kirchdorf–Wels–Traun–Linz und Kirchdorf–Kremsmünster–Steyr preist. Die erfreuliche Entwicklung von Rock im Dorf von den Ursprüngen bis 2026 schildert Festival-Booker Manuel Dicketmüller alias Diggi im E-Mail-Interview mit skug.

Manuel Dicketmüller © Christoph Weiermair

skug: Für Jugendliche im oberösterreichischen Ennstal gab es Anfang/Mitte der 1980er nur Landdisko oder Bierzelt. Selber musste ich nach Linz fahren, um meine Subkultur-Sozialisation nicht nur via Radio (B2 »Zündfunk«, Ö3 »Musicbox«) ausleben zu können. In der Stadtwerkstatt gastierten erstmals Swans oder Sonic Youth und ich konnte die Ursprünge österreichischer Acts, die über Linz hinaus Bedeutung haben, live miterleben, z. B. Hans Platzgumer mit Funktaxi oder die Anfänge von Attwenger. Erst als ich längst in Wien war, etablierte sich ein Festival im Ennstal, das Seewiesenfest in Kleinreifling bzw. Küpfern, das vom Verein Frikulum in Weyer ausging. Sagt dir das was?

Manuel Dicketmüller: Ja, ich schätze das Seewiesenfest sehr. Leider findet das ja nun schon länger nicht mehr statt. Früher war ich aber gern zu Gast bei dem kleinen, feinen Festival.

Kurzum: Ich schätze regionale Initiativen sehr. Anfang der 1990er gab es den Kanal Schwertberg oder das Jazzatelier Ulrichsberg oder die Inntöne oder das Kino Ebensee. Und heutzutage eine viel größere Vielfalt, etwa das Open Air in Ottensheim, das Klangfestival in Gallneukirchen und eben seit 2013 das Rock im Dorf. Zunächst interessieren mich die Ambitionen, die zur Gründung des Jugend- & Kulturvereins Rock im Dorf führten …

Da bin ich ganz bei dir. Es muss einfach auch im ländlichen Raum Platz für alternative Musikkultur oder auch Subkultur geben. Feuerwehrfestln, Bierzeltpartys und Dorfdiskos existieren in jeder Region (wobei das mit den Dorfdiskos leider auch immer weniger wird), aber Festivals abseits des Mainstreams und kleine Konzert-Venues sind da schon schwerer zu finden. Nachdem es sonst nicht so viel in der Richtung gab, musste man selber Initiative ergreifen und sich engagieren.

2013 erfolgte der Startschuss u. a. mit dem A.G. Trio, Francis International Airport, Catastrophe & Cure, Farewell Dear Ghost und Bilderbuch, die damals wohl erst eine lokale Größe waren.

In Österreich in der Untergrund-Szene hatten sie schon einen Namen. Es waren ja bereits zwei Alben veröffentlicht, worauf auch schon ein paar Hits zu finden waren. Der große Durchbruch kam dann 2014 mit »Maschin«. Uns ist auch zu Ohren gekommen, dass sie den Song bei uns uraufgeführt haben (vielleicht ist das aber auch ein Mythos). Als sie bei unserer 2024er-Ausgabe aufgetreten sind, waren sie also schon deutlich größer.

Bibiza © Janne Hansberg

Warum war das Rock im Dorf Festival auf Wanderschaft? Die bisherigen Veranstaltungsorte waren Inzersdorf im Kremstal, Schlierbach, der Stausee in Klaus/Steyr und erst nach der Corona-Pause gleichbleibend Kirchdorf. 

Das hatte verschiedene Gründe. Seien es produktionstechnische oder auch finanzielle. Grundsätzlich war es aber unser Ziel, in die Bezirkshauptstadt zu gehen. Die Anbindung und Infrastruktur sind hier einfach besser. Auch das Gelände ist wunderschön. Da können wir uns echt nicht beschweren.

Wie viele Besucher*innen kommen zum Festival? Hat sich die Anzahl über die Jahre geändert? 

Die Anzahl hat sich durchaus geändert, ja. In den ersten Jahren war ein Anstieg zu verzeichnen. Das letzte Rock im Dorf 2024 war mit 3.700 Besucher*innen am Tag, an dem Bilderbuch gespielt hat, das größte. Wir haben uns dann dafür entschieden, in der Größenordnung wieder auf maximal 2.500 zu gehen, wollten aber qualitativ natürlich keine Abstriche machen.

Es gab auch zwei weitere Eventserien: Rock’in’K in Kremsmünster und Jazzkonzerte im Hoizwerk in Schlierbach. Der Jugend- und Kulturverein Rock im Dorf bringt somit vielfältige Musikkultur in den ruralen Raum Kremstal und Umgebung und kann das wohl nur mit zahlreicher Freiwilligenarbeit stemmen?

Das Rock’in’K war eine Konzertreihe, die immer so rund um Weihnachten stattfand. Das Jazz im Hoizwerk hat damals der Geländebesitzer organisiert und hatte mit dem Rock im Dorf eher wenig zu tun. Aber ja, grundsätzlich ist das Festival nur stemmbar, weil’s viele engagierte Leute gibt, die tatkräftig mit anpacken, seien es Ordner- oder Kassadienste. Ein etwas kleinerer Kreis arbeitet das ganze Jahr über an den Vor- und Nachbereitungen. Es gibt viel zu tun, aber es macht auch Spaß. 🙂

Welche Aspekte sind Rock im Dorf noch wichtig? Nachhaltigkeit, regionales Essen & Trinken bei den Veranstaltungen und noch mehr?

Neben Nachhaltigkeit und Regionalität ist uns vor allem wichtig, die heimische Musikszene abzubilden und im Line-up auf Diversität zu setzen und ein möglichst geschlechterdurchmischtes Programm auf die Beine zu stellen.

Uche Yara © Elle Ladi

Bemerkenswert finde ich auch, dass Maschek ein »Abo« auf Gastspiele bei Rock im Dorf haben. Wie kam es dazu?

Das hat sich damals einfach angeboten. Die Location mit der Holzhalle hat sich gut dafür geeignet, als »Warm-up-Event« ein Kabarett zu organisieren. Die meisten Kabarettist*innen haben normal Sommerpause, Maschek fanden die Idee aber super und waren gleich offen für das Projekt.

skug schätzt Kreisky und Austrofred sehr. Es gab sogar mal einen Werbespot mit ihm auf GoTV. Warum war die Austrofred Academy im Jahr 2017 nur eine einmalige Angelegenheit?

Das kann ich dir ehrlicherweise gar nicht so genau sagen. Das war noch vor meiner Zeit als Rock-im-Dorf-Booker.

Mit Bibiza, Uche Yara, Die Sterne und Nenda habt ihr heuer sehr zugkräftige Acts, geht sich das finanziell eh aus für euch?

Hoffentlich, haha … Die Prognosen stehen ganz gut, aber unterm Strich können wir das erst nach dem Festival eruieren.

Der Schwerpunkt liegt berechtigterweise auf heimischen Acts, auch weil diese wohl erschwinglicher sind? Ich kenne nicht alle, bitte noch um einige Empfehlungen, die skug-Leser*innen nach Kirchdorf bewegen könnten.

Das hat verschiedene Gründe, aber einer davon auch ist Erschwinglichkeit. Gleichzeitig gibt’s einfach echt viele coole Musiker*innen und Bands bei uns im Land, die auf jeden Fall Support verdient haben. Empfehlen kann ich grundsätzlich natürlich alle Acts. Wir haben uns sehr bemüht, wirklich ein hochqualitatives Festival auf die Beine zu stellen. Bands, die ich bereits live gesehen hab’ und die mich persönlich dadurch auch überzeugt haben, sind aber definitiv Bibiza, Paula Carolina, Spilif, Magdalena Wawra, Kochkraft durch KMA und Adam Angst. Für Heckspoiler als lokale Szenegröße, die ja aus dem Bezirk Kirchdorf stammen, spreche ich auf jeden Fall auch eine Empfehlung aus – das wird eskalativ. 🙂

Wunderbar: Der Musikverein Weinzierl-Altpernstein scheint im Line-up auf. Eine Ortskapelle ist eine gute Schule für Musiker*innen, deshalb erscheint mir dieser Auftritt gar nicht kurios. Ich verweise auf den Konzeptkünstler Jeremy Deller, der den Streik der britischen Bergarbeiter*innen gegen die Thatcher-Regierung im Projekt Acid Brass thematisierte. Blasmusik goes Clubmusik goes Acid Jazz … Welcher Klang ist zu erwarten und wann? 

Der Musikverein Weinzierl-Altpernstein wird am Sonntag ab 10:30 Uhr bei unserem Frühschoppen auftreten. Nachdem es uns natürlich wichtig ist, die Region mit einzubinden, ist es naheliegend, die »Musi« mit ins Boot zu holen. Wir freuen uns auf Klassiker und Eigeninterpretationen vom einen oder anderen Pop-Hit. 

Abschlussfrage zum Dancefloor, der von wann bis wann mit welchen tanzbaren Sounds aufwartet? Die DJs auf der Party Stage, etwa von der CAOS bzw. Rock im Dorf Crew und andere kommen wohl aus der Region …

Die Partystage wird am Freitag ab 18:00 Uhr und am Samstag bereits ab 9:00 Uhr bespielt, um das Frühstück auch mit den passenden Vibes zu versüßen. An beiden Tagen geht’s bis spät in die Nacht. Stilistisch ist das ein wilder Genre-Mix und wohl für alle was dabei – von HipHop über Techno bis zu Trash Deluxe.

Spilif © Gabriel Hyden

Link: https://rockimdorf.at/ 

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