a1594336097_1x1_700
Magda Mayas

»Chant«

Unsounds Records

Visionäres an 16 präparierten Klavieren. Magda Mayas, in Berlin lebende Komponistin/Pianistin, die auch für ihre Improv-Darbietungen in zahlreichen Kollaborationen geschätzt wird, legt mit »Chant« einen delikaten dreiteiligen Zyklus vor. Beginnen wir gleich mit dem elegischen dritten Track, dem Titelstück »Chant«, eingespielt auf 16 Klavieren in der Piano Mill Residency im Harrigans Lane CoLab in Queensland, Australien. Gerade weil nur zwei Akkorde gar bedächtig, in sehr langsamem Tempo mäandern, ergibt sich daraus ein prächtiger Nachhallklang, welcher die der Komposition innewohnende Wehmut verstärkt. Für den Autor dieser Zeilen steckt darin kein Wehklagen, sondern vielleicht nur die Bewusstwerdung der Vergänglichkeit. Sich Mayas’ sich in der Unendlichkeit der Pianokorpi verlierenden, sachten Tastenanschlägen hinzugeben, ist dabei ein Akt des Genusses. Nach diesem 19:32 Minuten langen, kurzweiligen »Chant«, in dem das Berühren der Pianotasten tatsächlich so etwas wie einen Fadeout-Abgesang generiert, dürfen Komposition eins und zwei nochmals Revue passieren. Im ersten Stück »Embodied« ist beinah ein ganzes Ensemble von divers präparierten Pianosaiten tätig. Die Palette reicht von schnatternden, klappernden, schwirrenden bis hin zu glockenspielartigen Sounds, die die lange angehaltenen Pianoakkorde kontrastieren. Der Mitteltrack »Halcyon« ist allerdings noch raffinierter. Mayas ließ einen Gitarrenverstärker, der mit bestimmten Klaviersaiten verbunden wurde, ins Klavierinnere implantieren. Dermaßen paaren sich betörend schöne, so noch nie gehörte Resonanzen. Eine Liaison aus elektrischen Feedbacks und akustischem Klavierstrings-Nachhall, kongenial produziert von den begnadeten australischen Improv-Schlagzeugern Tony Buck (Mixing) und Joe Talia (Mastering).

Home / Rezensionen

Text
Alfred Pranzl

Veröffentlichung
29.06.2026

Schlagwörter

favicon

Unterstütze uns mit deiner Spende

skug ist ein unabhängiges Non-Profit-Magazin. Unterstütze unsere journalistische Arbeit mit einer Spende an den Empfänger: Verein zur Förderung von Subkultur, Verwendungszweck: skug Spende, IBAN: AT80 1100 0034 8351 7300, BIC: BKAUATWW, Bank Austria. Vielen Dank!

Nach oben scrollen