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Phantom Horse

»Primal Forms«

Umor Rex

Der Pressetext zum Release von »Primal Forms« legt eine gewisse Weltabgewandtheit von Phantom Horse nahe, nicht im Sinne des misanthropisch gestimmten Einbunkerns, sondern als Ausdruck von Konzentration aufs Wesentliche: Die Welt als Content brennt sich einem pausenlos auf die Netzhaut und in die Synapsen, da schadet es nicht, das Dauerfeuer digitaler Signale systematisch zu blockieren oder auszublenden und höchstens selektiv wahrzunehmen, was per Algorithmus die eigene Sensorik beanspruchen will. In Reaktion auf das, was einem anschließend noch von Bedeutung erscheint, ist mit Feedback ebenso sparsam umzugehen. Im Falle von Phantom Horse: das erste neue Lebenszeichen des Duos seit sechs Jahren als erlösende Nachricht an alle, die sich schon gefragt haben, ob da noch was kommt? Aber Ulf Schütte und Niklas Dommaschk sind noch auf Sendung. Sie sitzen in mehr oder weniger idyllischen und sorgfältig verkabelten Klangforschungsstationen in Spanien und den Niederlanden und haben sich, wie es moderne Kommunikationstechnik möglich macht, seit ihrem letzten Album über große Entfernungen hinweg fortgesetzt musikalisch ausgetauscht, standen nach wie vor im Dialog mit ihrem Label in Mexiko und nehmen jetzt mit ihren krautig-elektronischen Kompositionen wieder Kontakt zu allen kosmischen Kurieren weltweit auf. In sich ruhend und pulsierend wie eh und je, im Vergleich zu den Vorgängeralben aber noch eine Spur reduzierter, offenbart sich das Klanguniversum von Phantom Horse all jenen, die gewillt sind, ihre Antennen zum Empfang der sich langsam entwickelnden Stücke auszurichten. Drum sage ich in Anlehnung an den altbekannten Slogan des Kaisers »Macht das Ohr auf!« und lauscht, wie in minimal sich verändernden Konstellationen die sanfte elektronische Musik ihre Bahnen beschreibt, zart irisierende Eindrücke erzeugt und langsam verblassende akustische Spuren hinterlässt, die angenehm entspannend aufs durch Alltagslärm und anderen Krach strapazierte Bewusstsein wirken.

Home / Rezensionen

Text
Holger Adam

Veröffentlichung
24.04.2026

Schlagwörter

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