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Melvins with Napalm Death

»Savage Imperial Death March«

Ipecac

Supergroup oder Suppengruppenkochen? Gipfeltreffen oder Spieleabend unter Freunden? Vor 35 Jahren wäre eine Kollaboration der Band mit den langen, ganz langsamen und der Band mit den ultrakurzen, ganz schnellen Songs gewiss eine Sensation gewesen. Wenn jedoch aktuell die Melvins mit Napalm Death gemeinsame Sache machen, muss das Ergebnis nicht zwingend spektakulär klingen. Die in den letzten Jahren erschienenen Melvins-Alben waren okay, aber nicht wirklich weltbewegend. Napalm Deaths letztes Album »Throes of Joy in the Jaws of Defeatism« (2020) war sehr gut, liegt nun aber schon ein paar Jahre zurück. »Savage Imperial Death March« war bereits 2025 zur gemeinsamen US-Tour der Melvins mit Napalm Death in limitierter Auflage auf Amphetamine Reptile Records erschienen (so wie unzählige Melvins-Singles davor). Und in beständigem Einvernehmen ist nun, um zwei Tracks erweitert, die gesamte Session auf Ipecac veröffentlicht worden. King Buzzo spricht von einer »50/50 Partnership« der gemeinsam aufgenommenen Songs. Aber wie es die Wahl der Plattenlabel, die Reihenfolge der Bandnamen sowie Mackie Osbournes Artwork nahelegen, ist der Todesmarsch doch mehr ein Melvins- als ein Napalm-Death-Album geworden. Typische Napalm-Elemente fügen sich wesentlich stärker in Melvins-Songstrukturen ein als umgekehrt. King Buzzos unverwechselbare Stimme und Barney Greenways rhythmisches Growling wechseln sich ebenso gut differenzierbar ab wie John Cookes und King Buzzos Gitarren. Dass er und Dale Crover nicht mit dem nach wie vor aktuellen Melvins-Bassisten Steven McDonald, sondern mit Shane Embury den primären Trio-Sound bestreiten, macht keinen allzu großen Unterschied; schon eher, dass mit der Absenz von Napalm-Death-Drummer Danny Herrera ausgerechnet Blastbeats gänzlich auf dem Album fehlen. Embury setzt Ambient-Akzente, die stärker von seinem elektronischen Soloprojekt Dark Sky Burial als von Napalm Death herrühren. Und das erinnert wiederum ein wenig an die Melvins-Kollaboration mit Lustmord (2004). Der Opener »Tossing Coins Into the Fountain of Fuck« bündelt die kreativen Kräfte der beiden Bands ähnlich wie »Rip the God« ziemlich gut. Während das Napalm-lastige »Nine Days of Rain« als einziger Track eine durchgehend ernste Atmosphäre kreiert, kippen andere Songtitel und – erwartbar unerwartete – Songwendungen von Komik in Klamauk. »Awful Handwriting« nervt und »Death Hour« beendet den Spaß allen Ernstes mit dem Keyboard-Riff von Van Halens »Jump«. Na ja.

Home / Rezensionen

Text
Peter Kaiser

Veröffentlichung
15.04.2026

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