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Ultha

»A Light So Dim«

Vendetta Records

Ultha veröffentlichen ihre Alben in aller Regel, ohne darüber im Vorhinein viel Gewese zu machen. So auch am 2. April 2026, als sie in der Früh »A Light So Dim« digital verfügbar machten, ihr fünftes Studioalbum, das einen Tag später offiziell veröffentlicht wird. Das ist aber auch der einzige Prozess, den die Kölner Band kurz und schmerzlos macht. Jenseits ihrer unprätentiösen und schnörkellosen Veröffentlichungspolitik drehen sie mehr als ein paar dramatische Schleifen – die Musik von Ultha ist alles andere als nüchtern im Ausdruck. Auf der Klaviatur großer Gefühle spielt die Black-Metal-Formation ebenso souverän wie frei von Berührungsängsten, inklusive vierzigköpfigem Damenchor und anderen Gastauftritten, die Sänger Ralph Schmidt hier und da unterstützen und das Klangspektrum um ein paar dunkel grundierte Farbtöne erweitern. Insgesamt entsteht so ein aufwendig produzierter und auf Hochglanz polierter atmosphärischer Black Metal, der mich – nicht zuletzt aufgrund der prägnanten Keyboards – hier und da an die letzten Veröffentlichungen der französischen Blut aus Nord erinnert. Darüber hinaus nehmen Ultha auch Anleihen bei Doom Metal, Post Punk und Gothic Rock, etwa auf »What’s Yours Is Yours to Carry«, das nicht nur aufgrund der weiblichen Gesangspassagen an die italienischen Messa gemahnt. Schwarz in allen Schattierungen tragen Ultha im Klangbild, so könnte man sagen, und klingen im Ergebnis dann recht unverkennbar nur wie sie selbst. In den vergangenen Jahren sind sie auf diese originelle Weise zu einer ziemlich großen Nummer auch in der internationalen Metal-Szene geworden – und das als Hobby-Musiker. Aller musikalischen Raserei und dramatischen Gesten zum Trotz behalten die Bandmitglieder mit Blick auf ihren Alltag die Nerven und die finanzielle Übersicht und pflegen ihre dunkle Leidenschaft als professionelles Hobby, wie so viele Bands es aufgrund der desolaten Zustände im sogenannten Musikbusiness tun. Das mutet von außen betrachtet bzw. in historischer Perspektive schon auch absurd an. Da verkauft man am Tag der Veröffentlichung eines neuen Albums eine mehr als beachtliche Zahl Tonträger (die Startauflage wird binnen kurzer Zeit weg sein), genießt internationale Aufmerksamkeit und Ansehen und eine zum Erfolg verdammte Tour mit den amerikanischen Yellow Eyes steht vor der Tür – und wenn sich der Sturm gelegt hat, dann ruft die Lohnarbeit wieder. Früher war Black Metal vielleicht Krieg, heute ist er eine Frage der geschickten Urlaubsplanung. Ich meine das gar nicht despektierlich, im Gegenteil: Hut ab, dass die Jungs auf dem Boden bleiben – aber auch schade, dass sie nicht mehr so durchstarten können, wie es ihnen vielleicht noch möglich gewesen wäre, wenn sie alle zwanzig Jahre früher geboren worden wären? Andererseits aber egal, man kann das Rad der Zeit nicht zurückdrehen bzw. vielleicht ist das ganz gut so: Können Ultha sich frei von kommerziellen Überlegungen ganz auf ihre Kunst konzentrieren. Der Musik und ihren Fans kommt es zugute. »A Light So Dim« ist ein typisches Ultha-Album. Typisch auch in dem Sinn, dass sie nicht nur ihren Leisten treu bleiben, sondern immer offen sind für Experimente: »Cherry Knots (The Sun Shines Through You)« beispielsweise könnte mit seinen in schleppendem Tempo vorgetragenen und romantisch gestimmten Klavierakkorden auch eine obskure und frisch ausgegrabene Gruftie-Nummer aus den Achtzigern sein. Danach geben sie sich mit »Pink Lights Soiling To Copper« wieder der Raserei hin, aber grundsätzlich geht es auf »A Light So Dim« sehr abwechslungsreich und – wie erwähnt – angenehm scheuklappenfrei über Genregrenzen hinweg zur Sache, bis hin zu verträumtem Klargesang auf »The Quiet Current«, einer schwelgerischen Post-Punk-/Dark-Wave-Hymne. Ob auf der anstehenden Tour dann Feuerzeuge im Publikum geschwenkt werden? Ich werde es nicht sehen können, sie kommen nicht in meine Ecke. Wie dem auch sei: Auf 75 Minuten Spielzeit bringt es das stimmungsvolle und opulent angelegte Doppelalbum, es ist zum Zeitpunkt der Rezension gerade erst ein paar Stunden alt, viel musikalisches Material, viel zu verdauen – mal schauen, wann ich damit fertig bin. Fürs erste bin ich angenehm überrascht und bleibe dran. Daumen hoch.

Home / Rezensionen

Text
Holger Adam

Veröffentlichung
03.04.2026

Schlagwörter

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