Black Metal ist ja längst Weltkulturerbe, in Norwegen kann man als Tourist geführte Reisen zu historischen Stätten des skandinavischen Exportschlagers machen und auf der ganzen Welt gibt es vielfältige Szenen und Subgenres, die sich diesem musikalischen Erbe widmen. Die Debatte darum, was als »echter« Black Metal durchgeht, ist in der langhaarigen Gefolgschaft wahlweise ein immergrünes Thema oder kalter Kaffee, je nachdem. Mit analytisch kühlem Blick lässt sich konstatieren, dass jedwedes Genre sich fortentwickeln und ausdifferenzieren muss, wenn es nicht absterben will – aber natürlich ist auch an der zornigen Verteidigung der wahren Lehre was dran. Wir fragen an dieser Stelle aber nicht zu genau nach, weil sonst wird es schnell sehr kompliziert. Festhalten lässt sich aber, dass, wer der Orthodoxie des Black Metal ästhetisch anhängt, zusehen muss, dass erstens das Songwriting stimmt und zweitens die Maskerade nicht zum belanglosen Cosplay verkommt. In beiderlei Hinsicht machen die Osnabrücker von Winselmutter alles richtig. Sie holzen kompromisslos vor sich hin, die vier überwiegend rasend schnellen Songs von »Ketzergeyst« sind roh produziert und werden in rabiater Manier dargeboten und das Artwork zum Album ist in traditionellem Schwarz/Weiß gehalten und im Detail undeutlich genug, so dass die Inszenierung der Geschöpfe der Nacht nicht ins Alberne kippt. Sie haben natürlich die notwendigen Utensilien dabei: Schwert, Umhang, brennende Fackel … als wäre es noch immer 1992, aber ich nehme nicht an, dass man sich in Osnabrück Sorgen um die Kirchen machen muss. Nicht selten machen ja heutzutage Menschen Black Metal, die in Zivil friedlich oder sogar ausnehmend freundlich sind, sich gesund ernähren, gerne unter Verzicht auf tierische Produkte – und ihren Blutdurst stillen sie dann im Rahmen ihrer künstlerischen Produktion. Ich weiß nicht, ob das auch auf die Besetzung von Winselmutter vollumfänglich zutrifft, aber wundern würde mich das nicht. Letztlich ist es auch egal, weil in erster Linie geht es ja immer noch um Musik und die ist sehr gut. Die Winselmutter tobt auf »Ketzergeyst« gut zwanzig Minuten durch die Stube, dann sinkt sie entkräftet nieder und der Spuk ist vorüber. Kann man so machen.
Winselmutter
»Ketzergeyst«
Fucking Kill Records
Unterstütze uns mit deiner Spende
skug ist ein unabhängiges Non-Profit-Magazin. Unterstütze unsere journalistische Arbeit mit einer Spende an den Empfänger: Verein zur Förderung von Subkultur, Verwendungszweck: skug Spende, IBAN: AT80 1100 0034 8351 7300, BIC: BKAUATWW, Bank Austria. Vielen Dank!











