Live-Tapes vor dem Zerfall gerettet! Gut 30 Jahre nach dem Ende der Laughing Hyenas hat Shouter John Brannon sein Archiv durchforstet und Live-Aufnahmen selektiert. 19 Songs aus der gesamten Schaffensperiode seiner Ausnahmeband wurden von Bobby Emmett übertragen, gemixt und gemastert. Es sind die ersten regulär veröffentlichten Live-Mitschnitte, die nun in Doppelalbum-Länge bei Jack Whites Third Man Records erschienen sind. Der Mann hat schließlich Geschmack und ließ schon vor einigen Jahren die drei Alben und zwei EPs der Laughing Hyenas, seinerzeit auf Touch & Go erschienen, nachpressen. Selig, wer einst den Noise-Blues-Exorzismen der Laughing Hyenas live beiwohnen konnte. Mit Wahladresse Ann Arbor, Michigan, waren sie klarerweise von den Stooges beeinflusst. Dem wilden Herz der Hyänen, dem Paar Larissa Strickland und John Brannon, wird ein weiteres musikalisches Erweckungserlebnis angesichts eines Birthday-Party-Gigs in Detroit nachgesagt. Nach dem Ende ihrer ersten Bands, Brannons Hardcore-Pionieren Negative Approach und Stricklands L-Seven (nicht zu verwechseln mit den späteren L7 aus L.A.), transformierte sich die punkige Aggression in selbstzerfleischenden Todesblues. Inmitten ähnlich von der Muse des Wahnsinns geküsster (Stimm-)Exzentriker wie David Yow von Jesus Lizard und Eugene Robinson von Oxbow wirkte Brannon wie der Grimmigste von allen. Und seinen »Ready to Fight«-Blick hat er nach wie vor drauf, wenn er wieder mit Negative Approach durch die Lande zieht. Während Jeffrey Lee Pierce mit seinem Gun Club den Punks Robert Johnsons Blues predigte, müsste es über Brannon lauten: Screaming the blues! Mindestens. Denn seine Vocals springen dich regelrecht an. Selbst auf Zimmerlautstärke klingen einige der nun vorliegenden Live-Mitschnitte, als würde es jeden Moment deine Membrane zerfetzen, als würden die vier Hyänen direkt aus den Lautsprechern in dein Zimmer torkeln, deine letzten Schnapsreserven vernichten, um danach alles kurz und klein zu schlagen. In welchem Zustand sie wohl das Studio der New Yorker Radiostation WNYU im September 1990 hinterließen, nachdem sie dort eine brachiale Live-Session zelebriert hatten? Da hatten sie gerade das zweite Album »Life of Crime« am Start. Vier Songs meines Lieblingsalbums der Hyenas gibt’s nun auch live zu hören; der Opener kursierte bereits als Videoclip. Insgesamt schwankt die Soundqualität zwischen roh und rau, räudig, aber wow. Bemerkenswert sind drei frühe Versionen von Songs der Debüt-EP »Come Down to the Merry Go Round«, gut ein Jahr vor den Studioaufnahmen im »Hyena House« in Ann Arbor mitgeschnitten. Während noch an einer Band-Biografie geschrieben wird, bleibt eine Reunion ausgeschlossen. Larissa Strickland starb schon 2006 an einer Überdosis. Jim Kimball, Drummer des ersten stabilen Line-ups mit Bassist Kevin Strickland, verstarb im August 2025. Die Grenzen zwischen performten und gelebten »Hard Times« erwiesen sich leider auch nach dem Ende der Laughing Hyenas als nur allzu fließend.
Laughing Hyenas
»That Girl: Live Recordings 1986–1994«
Third Man Records
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