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Converge

»Love Is Not Enough«

Epitaph/Deathwish

Converge sind zurück. Und da setzt es freilich gehörig was auf die Lauscher. Auf dem elften Studioalbum seiner mittlerweile auch schon dreißigjährigen Bandgeschichte bringt das Quartett aus Boston sämtliche seiner Qualitäten zur Geltung. Converge zeigen sich für ihre Verhältnisse sogar relativ eingängig. Die zehn Songs in einer kompakten halben Stunde zünden von Anfang an. Erwartbar hohes Intensitätslevel, spiel- und soundtechnisch perfekt; dennoch nicht so überladen, artifiziell wie das, was allzu oft mit dem Label »Metalcore« versehen als Härte-Inszenierung präsentiert wird. Converge müssen auch schon lange keine Komplexitätsmaximierungspreise in der zu »Jane Doe«-Album-Zeiten beliebten Disziplin »Mathcore« gewinnen. Sie beherrschen souverän die Kunst der wohldosierten Dynamik und der Tempiwechsel. Und das entscheidet über Frischegefühl oder Langeweile, über bloßes Kopfnicken oder enthusiastisches Slamdancing. Der titelgebende Opener thrasht und prescht gleich mal direkt nach vorne los. »Bad Faith« eröffnet den Moshpit. In »Distract and Divide« und »To Feel Something« hat Drummer Ben Koller offensichtlich wieder Lust auf Blastbeats verspürt. Herzliche Grüße an Napalm Death, mit denen sich Converge nach gemeinsamen Touren auch mal freundschaftlich eine Single teilten. Das instrumentale »Beyond Repair« bietet eine kurze Verschnaufpause, bevor es mit »Amon Amok« mächtig weitergeht. Unter den noch folgenden vier Tracks entpuppt sich »Make Me Forget You« als kleiner Hit des Albums. Gitarrist Kurt Ballou legt über Kollers treibende Drums, Nate Newtons pochenden Bass und seine gewohnt schneidenden Riffs auch noch eine catchy Spur Melodie. Dazu artikuliert Jacob Bannons unermüdlich scharfes Organ seine Reflexionen 50 plus: »We age faster than I care to admit. Where memories lived now silence persists.« Nun, von Stille und Stillstand kann zumindest musikalisch keine Rede sein, solange die im stillen Kämmerlein gewonnenen Einsichten lautstark herausgebrüllt werden. Abwechslungsreicher waren Converge zwar auf dem großen Vorgängeralbum »Bloodmoon: I« (2021) in Zusammenarbeit mit Chelsea Wolfe. Aber kein Fan der gepflegten Katharsis braucht »Love Is Not Enough« den Rücken zuzukehren, wie es der geflügelte, aber allem Anschein nach wenig beflügelte Coverboy (wieder mal ein schönes Sujet von Bannon) tut. Auf sommerlich schweißtreibender Europa-Tour werden Converge auch am 2. Juli 2026 in der Wiener Arena Station machen. 

Home / Rezensionen

Text
Peter Kaiser

Veröffentlichung
21.02.2026

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