Antibalas

»Where the Gods are in Peace«

Daptone

Antibalas, die vor knapp zwei Jahrzehnten zur Avantgarde des Neo-Afrobeat gehörten, sind, wie der Musikstil selbst, in die Jahre gekommen. Das Genre ist heute weitgehend ausgereizt und ich wüsste kaum noch Bands zu nennen, die hier heute noch Akzente setzen könnten. Und auch Antibalas, die in den letzten Jahren laufend personelle Umbesetzungen hatten und kaum Tonträger veröffentlichten, gelingt das auf ihrem neuen Album nicht – zumindest nicht überzeugend. Es hat drei längere Stücke, die zusammen eine Albumlänge von 35 Minuten ergeben: »Gold Rush« beginnt vielversprechend rockig, gleitet dann über in jazzigen Afrobeat, roh, hart und funkig; man erinnert sich an die frühen 1980s, an Bands wie Pig Bag, dazu ein vokales Zusammenwirken von Lead- und Backgroundvocals à la Fela Kuti, so weit, so gut. Aber zu viele ziellose Gitarrensoli und schrille Orgelläufe zerfransen das Finale, der Song verebbt ohne ein Finish oder gar Fanal zu setzen. »Hook & Crook« hat als Basis ein Schlagzeug im Stil Tony Allens, doch der Song wirkt unausgegoren, ist ein Powerplay von sich wiederholenden Afrobeat-Floskeln, dem Struktur und Arrangement fehlen. »Tombstown« schließlich soll eine Art Moritat sein, der aber die Charaktere, der Glamour und der »Witz« fehlen; so wird das Stück zu einem 15-minütigen, endlos wirkenden Geplänkel. Geplant war wohl ein Konzeptalbum mit einer politisierenden Wild-West-Analogie, geworden ist es textlich wie musikalisch eher eine Platitüde.