Tyler Mitchell featuring Marshall Allen

»Dancing Shadows«

Mahakala Music

Da geht die Sonne auf: Tyler Mitchell, etliche Jahre Bassist im von Marshall Allen (Altsax) geleiteten Sun Ra Arkestra formierte sich mit eben diesem sowie mit Nicoletta Manzini (Altsax), Chris Hemmingway (Tenorsax), Elson Nascimento (Percussion) und Wayne Smith (Drums) zum Sextett. Ihre Interpretationen von mehr und auch weniger bekannten Ra-Stücken – ganz ohne Piano, Synths und Chants – klingen so frisch, als seien sie soeben die ersten Male in Schwingung versetzt worden. Tatsächlich zählen u. a. »Enlightenment«, »Interstellar Low Ways« und »A Call For All Demons« schon über 60 Jahre, reichen also in die Zeit zurück, als der nun 97-jährige Allen dem Arkestra beitrat. Das titelgebende »Dancing Shadows« stammt vom fünften Arkestra-Album »When Sun Comes Out« (1963) und wurde wohl nicht zufällig zum heliozentrischen Highlight auch dieses Albums erkoren. Ursprünglich trieb Drummer Clifford Jarvis den vibrierenden Übergang vom Hard Bop zum Free Jazz an. Nun sorgt Tylers Sextett dafür, dass die tänzelnden Schatten sogar noch an Tempo dazugewonnen haben – ganz große Klasse! Die beiden freejazzigen Neukompositionen »Spaced Out« von Manzini sowie »Marshall’s The Deputy«, Mitchells Tribute an seinen Freund, den ältesten noch regelmäßig performenden Jazzer, passen hervorragend dazu. Ein entspanntes »Skippy« erweist Thelonious Monk die Ehre. Und wer das 2020 erschienene »Swirling« des Arkestras feierte, wird gewiss auch die neue Sextett-Version von »Angels And Demons At Play« lieben. Wie kommentierte doch jemand den Takt des Stücks? »Es ist wie ein Walzer – ein Walzer am Saturn.«