Owls

»Two«

Polyvinyl Records

Die Menschen in Owls waren in der ersten Hälfte der 1990ern als Cap’n Jazz eine der Keimzellen des Midwest-Emo-Core und stilprägend insofern, als dass sie ihren Sound nicht an Hardcore, sondern an Indie-Rock anschlossen – was die Nachfolgeband ihres Gitarristen Davey von Bohlen später unter dem Namen The Promise Ring in Perfektion vollzog. Die Mehrheit der übrigen Mitglieder der kurzlebigen Cap’n Jazz gründete bald das mit Elektronika experimentierende, dem Emo-Rock aber verbundene Projekt Joan Of Arc und eben, Anfang des letzten Jahrzehnts, die Band Owls. Dem selbstbetitelten Debüt von 2001 folgt nun, als Reunion der Reunion quasi, das Zweitwerk »Two«. Ich kenne den Sound der Anfangstage nicht, aber wenn (was die meisten Besprechungen so andeuten) »Two« zugänglich sein soll, dann muss »Owls« ein aggressiv schief klingendes, beinahe unheimliches Offbeat-Monster gewesen sein. Das ist »Two« nicht: Das Aggressive und Bettende gehen in diesen rauen Indie-Rock-Landschaften, bei deren Benennung man doch irgendwo immer noch ein -Core unterbringen will, stets innig Hand in Hand. Das Unheimliche liegt hier vor allem in den surrealen, bisweilen politischen Texten, die Gitarren jangeln die Hörenden in einen Sog hinein – es rumpelt groovy. Wäre 2003 nicht spektakulär gewesen, würde es heute auch nicht spektakulär auffallen, ist aber definitv von einer über Szenen und Trends hinausweisender Qualität.