Kraftwerk

Tour de France Soundtracks

KlingKlang

Rezensent erspart sich die allgemein üblichen Hinweise auf die schon fast
monolithische Rolle der Herren Ralf Hutter und Florian Schneider für die
elektronische Popularmusik. Denn wir alle wissen, mit wem wir es zu tun
haben. Seit »The Mix« 1991 gab es nichts neues, außer dem eher entbehrlichen
Auftragswerk für die Expo 2000 und so ist es schon etwas besonderes, wieder
eine neue LP von Kraftwerk in Händen zu halten. Nun, was erwartet man sich
von den Urvätern des Elektropop? Anknüpfung an alte Tugenden des »perfekten
Popsongs«? Einen kompletten Richtungswechsel, den Grünschnäbeln zeigen, was
Innovation wirklich heißt? Weder noch. Die ‚Tour de France‘ ist ein schon
fast beängstigend glattes Werk, poliert, bis es in den Ohren weh tut.
Keinesfalls schlecht, aber jedes Bit hat seinen Platz, auch heute noch. Das
alles hat ein Album zufolge, das den Anschein erweckt, als hätten Kraftwerk
nicht 10 Jahre lang komponiert, sondern programmiert: an einem Programm, das
den Namen ‚Pop-Song-A-lizer‘ trägt und nur das eine macht. Zu perfekte
Popsongs. Deshalb finden wir auch Radfahren langweilig. Kein Platz für
Genies, nur Ausdauer und Körperperfektion.