Thabang Tabane

»Matjale«

Mushroom Hour Half Hour/Membran/Rush Hour

Wer glaubt, Afrika sei kein Land, sondern ein Kontinent mit einem äußerst vielseitigen Spektrum an Musik, der liegt ganz und gar nicht verkehrt und könnte folgerichtig auf den Stil Malombo schließen. Malombo bedeutet in Venda, einer der elf offiziellen südafrikanischen Sprachen, so viel wie »Seele«, ist allerdings mehr als das. Malombo steht auch für einen Exorzismusritus mit viel Getrommel und Getanze, zugleich aber auch für eine Musikrichtung, welche Jazz und afrikanische Popmusik mit dem speziellen Trommelsound der Zeremonien vereint. Und Thabang Tabane tut genau das, was seiner Familie liegt, die schon Mitte der 1960er-Jahre in Südafrika mit der Band Malombo diesen Style salonbefähigte. Sein Vater, der Gitarrist Dr. Philip Nchipi Tabane († 4. Mai 2018 in Pretoria) ist der bekannteste Vertreter des Malombo-Stils und mit dessen Band betourte Thabang die Welt schon seit seinem achten Lebensjahr. Zusammen mit dem Gitarristen Sibusile Xaba (dessen Album »Open Letter To Adoniah« 2017 ebenfalls auf dem Johannesburger Label Mushroom Hour Half Hour erschien), Dennis Moanganei Magagula (Djembe, Hlwahlwadi & Toys), und Thulani Ntuli (Bass) nahm er »Matjale« (benannt nach seiner Großmutter, die Heilerin war) eines Tages im Garten des Tabane-Haushalts in Mamelodi auf, da ihm die kommerzielle Musikindustrie nach eigenen Aussagen einfach nicht taugt. Die Aufnahmen taugen allerdings gut, weil sie, fein instrumentiert, mit eingängigen Bass-Lines, melodischen Endlos-Gitarren, wie man sie von Bands aus der West-Sahara kennt, meditativ-poppig-bluesige Ohrwürmer wiedergeben. Wie »Freedom Station«, das erst gequält dahinfließt und dann vokaltechnisch wütend ausbricht wie in Trance. Oder »Bengekho«, mit einem Überfluss an Energie, regentanzgleich (ach, hülfe es doch bloß gegen die hiesige Dürre), in dem sich Lebensfreude und der Spaß am Spielen vereinen. Wer glaubt, sich mit afrikanischer Musik bereits bestens auszukennen, der liegt vielleicht verkehrt und könnte folgerichtig auf »Matjale« im Malombo-Stil treffen und sich überraschen lassen.

Im Video zu »Nyanda Yeni« werden Videoschnipsel aus der Apartheid-Ära neu angeordnet, um ihre Bedeutung zu alternieren.