TERRITOIRE

»Alix«

humo

Natürliches Sonnenlicht sehen heute die wenigsten. Dabei muss man die Sonne nicht zwingend scheuen oder gar beruflich unter Tage weilen, der ganz normale Büroalltag reicht locker aus, um für einen veritablen Mangel an Vitamin D zu sorgen. Im gemeinsamen Zusammenwirken mit der ohnehin schon kargen und immer ausgedehnteren Winterzeit entwickelt sich so eine lauffeuerartig ausbrechende Epidemie, die heutzutage fast allen unter der euphemistisch betitelten Winterdepression bekannt ist. Gut, wir wollen hier nicht weiter agitieren: vielmehr ist es Zeit, um Fenster und Türen weit aufzureißen und die lebenswichtigen Strahlenbüschel hereinzuwinken. Vielleicht wagt man es gar und schreitet nach draußen, macht eine Reise gen Süden oder öffnet die Augen. Für militante UV-VerweigerInnen stellen derlei Gedanken und der Ausblick auf die herannahenden Sommermonate hingegen keine Glücksvorstellung dar. Fuck the sun, mein Metier sind meine vier Wände! Inwiefern sich Olivier Arson in dieser Hinsicht in freiwilliger Enthaltung übt, ist nicht genauer überliefert. Angesichts seiner als TERRITOIRE vertriebenen Musik ließe sich aber leicht der Schluss ziehen, dass der französische Produzent eher seltener zu lebensaffirmativen Ausflügen unter der Sonne neigt. »Alix« heißt das nun kürzlich auf Humo erschienene Album und gräbt sich inhaltlich, wenn nicht unter die Erde, so aber weiter in andere Gefilde, in denen die Sonne nicht nur nichts zu sagen hat, sondern allein die Vorstellung eines leuchtenden Himmelskörpers eigenartig fremd anmuten muss. In dieser leeren, grenzenlos unfruchtbaren Welt existiert so etwas wie Licht nicht, es ist nicht vorgesehen und würde man den körperlosen Gestalten, die hier murrend ihr Dasein fristen, davon erzählen, man wäre schnell für aberwitzig und verrückt erklärt. Dementsprechend düster grollen und grunzen die plastizierten Sounds auch dahin. Kein Raum für Schönes! Rhythmisch perkussiv beruft sich Arson derweil auf eine spanische Ein-Mann-Miliz. Oscar Mulero, seit drei Jahrzehnten das Aushängeschild der iberischen Techno-Kratie, treibt das totgeglaubte Etwas weiter an und vermag ihm in manchen Momenten sogar neues Leben einzuhauchen. Besonders betörend klingt das nicht. Dazu kommt, dass die Kommunikation angesichts des zischend unterlaufenen Gesäusels auch eher im Einbahnmodus verläuft. Als Konzept und in der Ausstellung (im hoffentlich lichtdichten Bunker) super, für den Frühling dafür eher nichts!