Arturas Bumateinas

»Sleep (An Attempt At Trying)«

Bôlt Records

Was kennzeichnet ein wirklich gutes Label für moderne, zeitgenössische, avantgardistische Musik aus? Aus meiner Sicht: Nicht bloß Qualität, sondern auch Unvorhersehbarkeit. Eine Vielfalt an Zugängen. Bolt-Records, das polnische Geschwisterlabel von Monotype-Records, bringt seit einiger Zeit die irrwitzigsten CDs heraus. Manchmal sperrig bis zum Abwinken, manchmal in purer Verweigerung fast schon erstarrend, manchmal gewitzt und einladend, manchmal einfach nur gut. Aber jedes Mal ist es eine richtig feine Freude, eine Bolt-CD in den Player zu schieben und sich zu fragen: Was kommt da jetzt? Und hin und wieder wird man für diese freudige Erwartung satt belohnt. Der in Vilnius geborene Komponist und Multiinstrumentalist Arturas Bumšteinas hat auf »Sleep (An Attempt At Trying)« gemeinsam mit einem stark gedimmten Kammerensemble und dem Sänger Kyrre Bjørkås eine Art Radiosuite für schlummernde Gemüter geschaffen, ein Notturno der nestelnden Soundsplitter, hingehaucht, geflüstert, wehmütig geschleppt, und dann doch immer wieder ins tonal Schräge gebogen. Mehr Pop als Neue Musik ist das hier, aber deswegen keinesfalls schlecht, im Gegenteil. Wir befinden uns in einem verlorenen Schlaraffenland zwischen den späten Talk Talk und dem frühen Nils Frahm (da gibt’s noch keinen späten). Angeblich hat Bumšteinas diese Stücke aus Schlaflied- und Entspannungs-CDs entwickelt, die er sich angesichts seiner eigenen Schlaflosigkeit auf Flohmärkten in ganz Europa zusammengeklaubt hatte. Eine Geschichte, die fast zu idyllisch ist, um wahr zu sein. Aber lassen wir die Legende ruhig so stehen, dieser musikalische Einschlafversuch ist einfach zu herrlich geglückt. Das darf man ruhig verklären. Eine Herzensangelegenheit für Siebenschläfer, Langschläfer & Co.