skug presents: RED on tour

Anstatt rückzublicken, stoßen wir lieber Tore in die Zukunft auf. skug wird das Erscheinen der 50. Ausgabe (Ende Februar 2002) mit einer feinen Österreich-Rundfahrt des Coverstars von Vol. 49 begehen.

skug entdeckt eben und andere Medien müssen nachziehen. Im Tourtross: Noël Akchoté und Fritz Ostermayer, die nach Reds Soloauftritten mit Olivier Lambin – so heißt der die Herzen aller MusikjournalistInnen erweichende Musiker aus Lille bürgerlich – eine Supergroup bilden werden. Zuvor, zwischendurch und hernach an den Turntables: skug-DJs! Red wird via Österreich die Welt erobern. Hier die Termine:

Di 19. März: Szene Wien
Mi 20. März: Club 2 München
Do 21. März: Jazzit Salzburg
Fr 22. März: Forum Stadtpark Graz
Sa 23. März: Alter Schlachthof Wels
So 24. März: 21.00 Uhr: Red live on air: FM4-»Im Sumpf«
So 24. März: 23.30 Uhr: Red DJ im rhiz Wien
Mo 25. März: Treibhaus Innsbruck

Ein paar einschießende Assoziationen zu Red …
Text: Fritz Ostermayer

Es sagt sich so leicht: »Wer wagt, gewinnt.« Abgesehen davon, dass der Volksmund eh fast immer unrecht hat – wer würde es denn zum Beispiel wagen, »Songs From A Room«, das legendäre erste Leonard-Cohen-Album, als Ganzes neu einzuspielen und dabei hoffen, zu »gewinnen«, zumindest gegen das Original nicht mächtig abzustinken? Froh kann jeder sein, der so was wagt, dass er nicht als größenwahnsinniger Dummkopf gescholten wird. Außer man heißt RED und bewältigt diese Aufgabe mit einer solch umwerfenden Souveränität, dass auch Mr. Cohen selbst nur den Hut ziehen könnte. REDs Neuinterpretation dieses Klassikers zählt mit Sicherheit zum Innigsten, Berührendsten, aber auch Innovativsten, was 2001 auf Tonträger erschienen ist …

RED heißt eigentlich Olivier Lambin, stammt aus Lille in Frankreich und klingt so unfrankophon wie unsereiner, wenn er die Marseillaise in der Landessprache von hinten nach vorne singen würde. Denn REDs Wurzeln liegen hörbar im amerikanischen Süden, im schwarzen Deltablues ebenso wie im weißen Country. REDs Stimme erinnert dann auch mehr an Johnny Cash oder Robert Johnson als an irgendwelche Chansonniers seiner Heimat. Und dann wäre da noch die Elektronik …

RED-Songs erzielen ihre magische Sogwirkung nicht zuletzt aus einer disloziiert herumschweifenden Elektronik: Im Gegensatz zu den vielen »kultiviert« glatten Electronica-Sounds der Gegenwart pocht und knirscht es bei RED »barbarisch«; ein fast archaisch anmutender Störgeräuschekosmos breitet sich unter Gesang und Gitarre aus, der die Intensität ins schier Unerträgliche steigert. Dann hört man Schwermut-Folk ohne Selbstmitleid bzw. Depro-Electronic ohne Gruftgeruch. Und ich denke mir: RED – das ist ein genialer Bastard aus menschlichem Aufstöhnen und maschineller Transkription von Seelenpein in analoges Rumpeln. RED – das ist die tatsächliche Fortsetzung von Joy Division mit anderen Mitteln, als sie New Order in die Hand nahmen. RED ist Will Oldham im Kopf von Aphex Twin, also die für unmöglich gehaltene Schnittstelle aus Existentialismus und abstrakter Geometrie. Deeper geht’s nimmer – das Nächste wäre schon ein tiefer Schnitt ins Fleisch …

Besäße das Herz ein Potenziometer mit Erschütterungsskala, dann stünden bei RED beide Pegel fest im ROTEN Bereich. Nichts darunter … auch wenn RED sich seinen Namen nur von seiner Haarfarbe ausgeborgt hat.

See also: www.rectangle.org

Red-CDs im Vertrieb der Extraplatte/Wien. www.extraplatte.at