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Wie Rembetiko, Fado oder Tango ist die Sevdalinka Soulmusik, jene der Bosnier. Das türkische Wort »Sevdah« umschreibt eine Liebessehnsucht, die in ihrer Tragweite auf die Einführung des Islam zurückzuführen ist. Damals begann eine weitgehendere physische Trennung zwischen den Geschlechtern. Das Resultat waren verfeinerte Poesie, Werberituale und Liebesanbetungen. Aus den Gesängen über hohe Mauern hinweg entwickelte sich die urbane Art, den Liebesschmerz melancholisch kundzutun. Die Palette reicht von den teilnehmenden internationalen Größen Mercan Dede und Theodosii Spassov über jazzige Innovatoren bis zu den lokalen Stars Damir Imamovi? oder Omer Pobri?. Und enorm leidenschaftlicher Schmelz ist im Timbre der Vokalistinnen Jadranka Stojakovi?, Vesna Hadzi? oder Emina Ze?aj enthalten. Die bezauberndste Aufnahme, immens rural, weht allerdings aus dem Jahr 1908 herüber, wo ein Trio im Chor zu Klarinette, Akkordeon und Trommel jammert. Großartig! Bilja Krsti? geht es auch um das Bewahren der reichhaltigen Volksmusik der Balkanländer. Ihre Songkollektion geht über Ex-Jugoslawien hinaus und nimmt auch den speziellen Frauengesang Bulgariens wahr oder bringt ein Rembetiko-Lied von der griechischen Insel Syfnos zum Erklingen. Nett zu hören.

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Home / Rezensionen

Text
Alfred Pranzl

Veröffentlichung
06.09.2007

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