Rezension einer Ausstellung: Monica Bonvicini/Sam Durant

Aufeinandergetroffen sind sie bereits 1991, zusammen arbeiten sie in der Installation »Break it/Fix it« als kongeniales Duo das erste Mal: Die italienische Künstlerin Monica Bonvicini, die durch den soziopolitischen und geschlechtspezifischen Appell in ihren Installationen gegen architektonische Machtstrategien rebelliert und der L.A. Künstler Sam Durant, dessen Auseinandersetzung mit der Populärkultur und künstlerische Aufarbeitung der Bürgerrechtsbewegung und der Black-Panther-Protestaktionen für Konfrontationen sorgen.

Das konfliktgeladene Potential von urbanen Territorialkämpfen, die unter anderen zu Ausgrenzungen durch Gitterabsperrungen führen und die Frage nach räumlicher Kompetenz übertragen Monica Bonvicini und Sam Durant durch ihre »In Situ«-Installation in den Hauptraum der Wiener Secession. Als Klassiker eines White Cubes schrieb dieser Ausstellungsgeschichte noch ehe Yves Klein 1957 mit seinem Projekt »Le Vide« einen Raum der Leere schuf und den White Cube einer Galerie selbst zum ausgestellten Objekt deklarierte. Dass es derzeit en vogue ist, sich vom Konzept des White Cubes zu verabschieden, bewiesen in der Secession in der jüngsten Vergangenheit bereits die verschachtelte Installation von Hans Schabus (2003) oder das durch seine Initialen HZ 95 gebildete Labyrinth von Heimo Zobernig (1995).

In der »In Situ«-Installation von Monica Bonvicini und Sam Durant, deren Grundriss das Wort »CAGE« bildet, versinkt die Innenarchitektur der Secession in einem Labyrinth von Korridoren, Glaskuben, Glaswänden und Spiegeloberflächen. Gefangen in einem Käfig der Paranoia ist das Duo in dem in die Installation integrierten Video »Break it/Fix it« (2003), das sich mit dem gesellschaftlich als Machtinstrument missbrauchten Phänomen Angst befasst. Die Angst ist hier nicht bloß durch die in den skulpturalen Prozess einbezogene destruktive Gebärde, sondern durch ihre formale Übersetzung in die Skulptur »ANGST« als dreidimensionale Holzbuchstaben präsent. Was bereits von Rainer Werner Fassbinder in seinem Film »Angst essen Seele auf« (1974) oder von Christoph Schlingensief durch seine Polemik einer »Church of Fear« (2003) eingefordert wurde, wird zur individuellen und kollektiven Angstbewältigung aufgerufen.

Die Prozesse der Konstruktion und Dekonstruktion verschmelzen ineinander, indem Bonvicini und Durant ihre Skulptur Angst brutal zertrümmern, um daraus erneut die englische Variante »Fear« zu konstruieren. Der destruktive Impuls lässt sich hier als physische Interaktion nachvollziehen, aber auch als eine Metapher für ein Recycling historisch determinierter Kunstherstellungsstrategien, die den Minimalismus sowie den Postminimalismus von der Process Art unterschieden. In diesem Prozess ist unverkennbar spürbar, dass es Bonvicini nicht bloß um die Mitteilung politischer Messages durch das Medium installativer Kunst geht, sondern dass im Zentrum eine Aggression steht, die sich gegen den rigiden Gebrauch einer Formensprache in der Kunst wendet. Ein Aspekt auf den übrigens bereits Dietrich Diedrichsen hinwies. Typischerweise übertragen sich diese phänomenologisch existentiellen Züge auf die Installation aus Holz, Metall, Glas- und Spiegelflächen. Das Eingrenzen des Raumes durch das Labyrinth veranlasst dazu, die Möglichkeiten zur freien Bewegung zu erforschen und die Raumwahrnehmung durch Spiegelungen und Durchbrüche zu schärfen. Anspielungen an die Cuttings von Gordon Matta-Clark und an Dan Grahams Glaspavillons klingen durch. Korridorsysteme, wie wir sie aus den Filmen von Stanley Kubrick kennen, enden abrupt vor Gitterstäben, die einen Ausgrenzungsmechanismus visualisieren, der nicht überwunden werden kann und zur Umkehr zwingt.

Einer Semantik der Sprache bedient sich das Duo raffiniert entlang der Oberflächenmatrix der abgerundeten Stellwände. Vorarbeit für diese kognitive Karte leistete Monica Bonvicini bereits in früheren Installationen mit der Message »I believe into the skin of things as in that of women« (1999), und verwendete dafür Zitate von Giovanni Battista Alberti bis Zaha Hadid. Dem Zitathaften verpflichtet ist auch Sam Durant in seiner Serie »7 Signs« (2003), in der durch Reklameleuchtkästen Texte politischer Protestmärsche rezitiert werden. Als ein Recyclingprogramm dürften zum Teil die AutorInnen des Kataloges ihre Beiträge betrachtet haben. So aktualisierte Roberto Ohrt seine Text über Philip Guston oder wurden von Jennifer Gonzalez Zitate zur Destruktion und Kreation von Theo van Doesburg über Gertrude Stein bis zu Antonio Negri lose aneinandergefügt. Dem Phänomen von Leere und Fülle in der Geschichte der Ausstellungspraxis widmet sich Jörg Heiser, ohne tatsächlich sich mit der Installation »Break it/fix it« zu befassen. Die architektonische Umsetzung von Aphorismen eines Ludwig Wittgensteins, wie das »Anrennen gegen die Grenzen der Sprache« gewinnt innerhalb der Installation eine reale Dimension. Durch die Motorik des Sprachbewegung lichtet sich der Nebel der Melancholie, der sich in diesen frostigen Wintertagen über uns senkt.

Zur Ausstellung erschien ein zweisprachiger Katalog mit Essays und Gedichten von: Rebecca Gordon Nesbitt, Jennifer Gonzalez, Hou Hanru, Jörg Heiser, Leslie Kanes Weisman, Chris Kraus, John Miller/Frank Lutz/John Sinclair, Roberto Ohrt, Patrizia Valduga, Kevin Young.

Monica Bonvicini/Sam Durant:
»Break it/Fix it«, »In Situ«, Secession Wien, 28.11.2003-1.2.2004

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