Regener ohne Lehmann

Sven Regener bloggt über Hamburg. Und dieses Mal kommt Herr Lehmann nicht vor: »Meine Jahre mit Hamburg-Heiner. Logbücher«.

Sven Regener kombiniert mit einem Buch ergibt meist Herr Lehmann. Und Erfolg. Und gute Kritiken. Zumindest in der Vergangenheit. Daraus kann man durchaus den Schluss ziehen, dass Herr Regener des Schreibens mächtig ist. Was mitunter so mancher nicht wei&szlig, ist, dass Geschriebenes von Herr Regener schon in der Vergangenheit nicht nur auf Papier, sondern auch in verschiedenen Blogs – etwa auf zeit.de, berlin.de oder standard.at – im Internet zu lesen war.

Für alle jene, die sich dessen nicht bewusst waren, hat er jetzt seine Blogs gesammelt und in Buchform herausgegeben. Wobei er sie vermutlich nicht höchstpersönlich zusammengesammelt hat, aber auf jeden Fall geschrieben. Entstanden ist daraus »Meine Jahre mit Hamburg-Heiner«, in dem er die Leser auf verschiedenste Reisen mitnimmt. Und irgendwie mit dabei ist auch immer ein gewisser Hamburg-Heiner – zumindest am Telefon, erschaffen von Regener höchstpersönlich. In seinen regelmä&szligigen Anrufen übt er meist mehr bizarre denn konstruktive Kritik an den Blogs seines Freundes. Regener seinerseits taumelt naiv durch die Blogosphäre und vermittelt mit ironischer Distanz den Eindruck, nicht recht zu wissen, warum und wofür er eigentlich bloggt. Und was er mit seinen Blogs sagen will. Das was er erzählt, macht er jedoch auf gewohnt humorvolle Weise. Die gesammelten Blogs begleiten Regener zu Promo-Zwecken, auf Tour, ins Studio nach Nashville, auf die Buchmesse und auch nach Wien. Die von Hamburg-Heiner und Regener geplante Aussöhnung zwischen Deutschland und Üsterreich scheitert aber trotz ?berlegungen über eine Schenkung von Schleswig-Holstein.

Recht paranoide Anfälle – eine Erdnuss (eine ganze!) auf dem angestammten Busplatz des erdnussallergischen Sven, da können ja nur die Kollegen dahinter stecken – auf der Element-Of-Crime Tour kombinieren sich mit einer fotografisch gestalteten Schuhanalyse in Nashville. Regener lässt den Leser durch seine Logbücher folgen, ohne doch zu viel zu verraten. Manchmal sucht man auch den Sinn des Geschriebenen – jedoch nicht verzweifelt – vorausgesetzt, man genie&szligt Regeners Stil zu schreiben.

Sven Regener: »Meine Jahre mit Hamburg-Heiner. Logbücher«, Berlin: Galiani 2011, 432 Seiten, EUR 20,60