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Ich kann mich nicht erinnern, dass – außer bei Todesfällen – jemals österreichische Popmusik Thema in der ZIB1 war. Bezüglich medialer Aufmerksamkeit setzt Anja Plaschg also wirklich neue Maßstäbe. Die kurze Biografie der Musikerin ist sattsam bekannt, sogar ihre Eignung als Projektionsfläche für alternde Musikjournalisten wird bereits aufgeregt diskutiert. Doch was bleibt, wenn der Hype, soweit das überhaupt noch möglich ist, ausgeblendet wird? Ein aufwühlendes Debüt auf Albumdistanz, das repetitives Klavierspiel mit knisternder Elektronik kreuzt, überragt von einer somnambulen Stimme, die vom intensiven Flüstern bis zum expressiven Schrei ein enormes emotionales Spektrum abdeckt. In einigen Stücken wird diese zusätzlich übereinander geschichtet, was – gepaart mit einer Portion Hall – eine Art vokalen Wall of Sound in Phil-Spector-Tradion ergibt und maßgeblich zur Dichte des Albums beiträgt. Die Stücke tragen Titel wie z.B.»Thanatos« oder »Marche Funebre«, die vielleicht allzu deutlich in Richtung Altersweisheit und frühvollendetes Genie (jetzt ist es passiert!) deuten, und an dieser Stelle wird deutlich, dass es schon nicht mehr möglich ist, das Werk von der Person der 18-jährigen Anja Plaschg zu trennen. Es ist es die Spannung, die zwischen einer strengen, klaren kompositorischen Form und dem hingebungsvollen Gesang, welche die Eigenständigkeit von LFV ausmacht. Dazu besteht noch die instrumentale Polarität zwischen dem organischen Klavier als Instrument des Kunstliedes der Romantik, und der vermeintlichen Kälte der Laptopsounds. Unterstützung kommt von externen Kräften an Bass, Viola und Cello. Für emotional stabile Unterwegshörer eignet sich »Lovetune For Vacuum« auch bestens als Lovetune For Vademecum. Spektakulär!

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Text
Stefan Koroschetz

Veröffentlichung
14.05.2009

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