»Leichte Winter« - Ein Film von Doris Kittler

skug-Emfpehlung der Woche: Die mit vielen Vorschusslorbeeren bedachte Video-Doku mit Szenen aus Osteuropa läuft noch im Wiener Votiv-Kino und anschließend am 4. und 6. März 2004 bei der Diagonale04 in Graz.

Doris Kittlers Dokumentation zeigt Szenen des Alltags in Russland, Georgien und Litauen, wie ihn meist deutsche Lektoren und Journalisten dort arbeitend erleben. Leichtfüßig inszeniert ist dieser Film ist ein zartes, schwebendes Gedicht, eine Ode an die russische Seele (Kittlers Großmutter war Russin). Fragen von Heimat, Sprache und Identität werden in den Raum gestellt und reflektiert. Sind es Anfangs Bilder von der eigenen Wohnung, wo Probleme mit Wasser, Gas und Strom Alltag sind, gewährt Doris Kittler, die mit Hilfe der Robert Bosch Stiftung an einem Lektoren-Austauschprogramm in Tomsk (hier entstand auch ihr erstes, 50 Minuten langes »Dokumentarfilmmärchen« »Mischa« über die Stadt Tomsk) teilgenommen hat, mittels Aussagen befreundeter Kollegen eine sehr subjektive Bestandsaufnahme von Osteuropa. Barbara Wattendorf, Lektorin in Tiflis etwa sagt: »Anschnallen im Auto ist ein Zeichen für Schwäche und Angst … der Griff zum Gurt eine Beleidigung für den Fahrer.« Zwischen den Interviews immer wieder Blicke auf das Jetzt: Straßenhändler und Straßenkinder, die Parade des 9. Mai, der Tag des Sieges über Hitlerdeutschland, das Gedränge in der U-Bahn, Straßenküchen (»unser McDonalds«), georgische Schriftbilder, die wie Weinreben aussehen, Besuch bei befreundeten Künstlern wie beispielsweise dem Trickfilmer Boris Kasakow, der sich daheim ein »Privatkino« eingerichtet hat und eine seiner grandiosen Found-Footage-Übermalungen zeigt (am Flur einer Säuglingsstation bricht ein Krieg aus). Oder das Gespräch mit dem georgischen Komponisten, der auch für die musikalische Untermalung dieses Filmes verantwortlich ist (und auch in Wien studiert hat).
Subjektiv sind die Erfahrungen eines solchen Lebensabschnitts, schräg, widersprüchlich, intensiv, witzig und faszinierend. Schwer wird einem ums Herz, als ein obdachloser, von Kälte und Klebstoffschnüffeln gekennzeichneter Teenager von seinem Alltag, den er mit seinen Freunden auf der Straße lebend verbringt, berichtet. Aus Mitteln der Robert Bosch Stiftung (EUR 40.000,-) und einer ganz bescheidenen Subvention der Stadt Wien (EUR 2.000,- ) entstand nach zweijährigem Aufenthalt ein Film, der eindeutig Lust auf mehr macht.

>> www.diagonale.at
Kontakt Doris Kittler: leichtewinter@cronos.at