Kopfkino? Nein, Kopfparty!

Party, Drogenexzesse und viel Musik gefällig? Die Empfehlung lautet: Tino Hanekamp. 

Manch einer soll ja der Meinung sein, beim Schreiben muss es ruhig sein, damit man sich konzentrieren kann. Ich wage jedoch den tollkühnen Versuch, beim Schreiben der Rezension zu Tilo Hanekamps Buch »So was von da« laut Musik zu hören. Es passt einfach irgendwie. Hanekamp war lange als Musikjournalist tätig. Mittlerweile ist er Clubbesitzer des bekannten »Uebel und Gefährlich« in Hamburg. Wie seine Hauptfigur Oskar Wrobel. In seinem Debütroman nimmt uns Hanekamp mit auf die letzte Party.

Mit 23 Jahren ist Oskar Wrobel Clubbesitzer in Hamburg. Manch einer würde da wohl gerne mit ihm tauschen. Dennoch empfängt er die Leser mit »Ach Schnauze!«. Na dann mal hereinspaziert – zur unvergesslichen Silvesterparty. Doch was kommt danach? Der Club wird abgerissen und ist verschuldet. Die Freunde drehen alle irgendwie durch. Und Mathilda. Die Ex, die noch immer alles kaputt macht. Obwohl sie gar nicht da ist. Oder gerade deswegen. Ah ja, ein erpresserischer Ex-Zuhälter mit einer Vorliebe zum Fingerbrechen ergänzt die grandiosen Zukunftsaussichten. Will noch immer wer tauschen?

Ich persönlich nicht. Aber zu diesem Zeitpunkt befinden wir Leser uns metaphorisch eh schon auf der Party. Und da will wohl keiner mehr weg. Im Gegenteil, jeder wartet auf den ganz gro&szligen Knall. Doch den serviert Hanekamp nicht. Stattdessen wird man immer wieder durch ständige kleine Knalleffekte vom nach Hause gehen, sprich dem Buch aus der Hand legen, abgehalten. Wrobel seinerseits ist im ständigen Wechselspiel zwischen Ekstase und Zusammenbruch. Wobei man oft nicht genau sagen kann, in welche Richtung es geht. Einem grandiosen Auftritt folgt ein jähes Ende. Ein angekündigter Schrecken bleibt aus. Und alles, alles, alles will man als Leser miterleben.

Hanekamp ist wahrlich nicht der Erste, der über Szeneclubs, abgefahrene Partys, Drogenexzesse, hoffnungslose Lieben und sonst haufenweise Probleme schreibt. Dennoch fesselt das Buch. Wie die Stimmung von Oskar Wrobel schwankt auch die eigene zwischen Mitleid, Neid und Sehnsucht nach einer solchen Party. Gleichzeitig stellt man sich die Frage, feiert so unsere Gesellschaft? Und wenn ja, geht das gut? Tut uns das gut? Tja, einer muss es wohl testen. Und da es jetzt Samstagabend ist und ich seit heute Mittag in Hamburg bin, mach ich mich auf die Suche nach dem »Uebel und Gefährlich«. Denn nichtsdestotrotz, wenn die Partys in seinem realen Club nur halb so fesselnd sind wie das Buch und die darin beschriebene, muss ich das gesehen haben.

Tino Hanekamp: »So was von da«, Köln: Kiepenheuer & Witsch, 304 Seiten, EUR 15,50