Konstrukt & Keiji Haino

»A Philosophy of Warping, Little by Little That Way Lies a Quagmire«

Karlrecords

Konstrukt, die türkische Vier-Kopf-Free-Jazz-Formation, kann nun auf zehn Jahre Bestehen zurückblicken und somit auf eine Reihe von Aufnahmen, die ihnen eine beachtliche Reputation in künstlerisch avantgardistischen Kreisen verschafften, u. a. mit Größen der Szene wie Peter Brötzmann, Joe McPhee, Akira Sakata und Thurston Moore. Und sie machen weiter. Wie hier bei der nun schon »zweiten« Kollaboration mit der japanischen Mythengestalt Keiji Haino. Dafür luden sie ihn nach Istanbul ein und nahmen »A Philosophy of Warping, Little by Little That Way Lies a Quagmire« nach dem Studioalbum vom Vorjahr nun live auf. Same same but different. Neben dem zu erwartenden menschlich-musikalischen Exzess werden jedoch auch einige Geburtstagsüberraschungen aufgetischt, beispielsweise der funky langanhaltende, schwere Groove im ersten Track, der mitreißt und einen ungewohnt einladenden Einstieg in ungewohnt zugänglichen Experimental Rock von Haino sowie postwendend nach etwas mehr als fünf Minuten gediegene Noise-Ausflüge ermöglicht, doch immer wieder von einem geraden, stampfenden oder zumindest konturgebenden, relativ orthodoxen Schlagzeug in Schach gehalten wird. Der zweite Track ist dann mehr auf das Fabrizieren von verwegenen Stimmungen aus. Die Sounds klingen irgendwie nach 1970ern oder 1980ern und die sich wiederholende, hallende Gitarre wirkt sogar entspannend. Im vierten und letzten Track kommt 1970s-Fusion-Feeling auf, wenn der E-Bass wie Blubberblasen aufpoppende Töne erzeugt und das Saxophon fast melodiös darüber spielt und Haino dazu anleitet, nicht nur anarchisch seinen Gefühlen freien Lauf, sondern hier und da auch Spuren von klassischem Gitarrenspiel erahnen zu lassen. Natürlich nur ganz kurz, dann endet alles wieder in einem Strudel aus Ausdruck und Klang. In all eine durch den Anteil von Konstrukt überraschend ausgewogene Live-Arbeit.