Kollegium Kalksburg

»ewig schod drum«

Off Shore

Den morbiden Schmäh haben sie drauf, die Herren Ditsch, Skrepek und Wizlsperger. Jetzt erscheint das Trio auf dem von Christoph Prisching gestalteten Cover von »ewig schod drum« als gemalte Totenschädel, allerdings bekleidet und mit seinen üblichen Kopfbedeckungen. Dabei sind die drei 1963er-Jahrgänge so alt noch nicht, und bei ihrem Auftritt beim »Musikalischen Adventkalender 2017« im Wiener Schutzhaus am Heuberg erfreuten sie sich scheinbar guter Gesundheit. Kokettieren tut das Kollegium Kalksburg (KK) aber nicht nur mit dem Alter, sondern auch mit der Qualität seines neuen Albums. Es sei gar nicht so besonders gut geworden, weshalb sie nur ein paar Stücke davon spielen und von einem Kauf eher abraten würden. Das ist launiger KK-Schmäh, das Album ist sogar ausgesprochen gut geworden.

Mit phantastischen wienerischen Texten zeigt Wizlsperger, welche Abgründe sich hinter scheinbar normalen Fassaden verbergen können (»des kaun wos wean nr.2«), wie das mit der berüchtigten Seite fünf der »Kronen Zeitung« ist/war und welche absurden Tauschmöglichkeiten mit den Gratisblättern »Heute« und »Österreich« sich daraus ergeben können. Geradezu schwindlig macht das spooky »ginbummmusik«, das textlich jede Menge Alkoholika aufzählt, und in »i dua wos i kau« wird ein FPÖ-Wähler zum quasi #metoo-Opfer mit vertauschten Rollen. Und dann sind da wieder die eigenwilligen Coverversionen, diesmal ein beeindruckendes »unheimlich leicht« (Heller/Stricker), ein beseeltes, ins Wienerische übertragenes »sog du kummst eh wieder dsruk« (Sam Cooke), und eine Interpretation von Tom Waits’ »way down the hole«, die demonstriert, dass Wizlsperger sogar wie Nick Cave klingen kann. Total anders wiederum tönt »des kaun wos wean nr.1«, die Aneignung vom »Hobellied« (Raimund/Kreutzer), die alternativen Text und eine überzeugende Vorstellung von Heinz Ditschs Meisterschaft an der singenden Säge enthält. Zwei Texte steuert auch der alte KK-Haberer Antonio Fian bei, von denen besonders »es waren gäste da« am Ende in seiner tiefen Traurigkeit lange nachwirkt. Alles in allem untermauert das Kollegium Kalksburg mit dieser Veröffentlichung wieder einmal seinen Status als Ausnahmeerscheinung im Fach Neues Wienerlied, indem es die Grenzen des Genres sowohl inhaltlich als auch formal auf unterhaltsamste Weise bei weitem sprengt.