Johnny Jewel

»Digital Rain«

Italians Do It Better

»Digital Rain« heißt das neue Werk von Johnny Jewel, dem offenkundigen Mastermind hinter Bands wie Chromatics oder Glass Candy. Nach seinem letztjährigen, überaus einflussreichen Solo-Ausflug (»Windswept«) in die auratischen Abgründe der dritten »Twin Peaks«-Staffel, veröffentlicht John David Padgett nun ein weiteres Solo-Album auf dem hauseigenen Label Italians Do It Better. Die 19 Stücke verdichten sich zu einer Ansammlung an akustischen Kritzeleien, die sich dem – nur auf den ersten Blick – banalen Thema des Wetters verschrieben haben. Gleichzeitig ist »Digital Rain« in Anlehnung an seinen Titel und den überdimensional am Cover platzierten Eiswürfel durchaus metaphorisch zu hören. Allgegenwärtig sind der digitale Fluss und die Informationsströme, die immerfort über uns hereinbrechen und niederprasseln wie dicke Tropfen zum dazugehörigen Wolkenbruch. Bis zu einem gewissen Punkt ist diese stilistische Brücke auch auf den Stücken nachzuempfinden. Spitze Arpeggien werden da wild kreiselnd in den Äther geschickt. Sie wirken wie ein unaufhaltsamer Datenfluss, der letztlich aber viel zu oft in den pathosgeladenen Synthesizer-Flächen versiegt. Den Attack-Regler weit nach oben geschoben, kommen die Harmonien oftmals deutlich zu brav daher, als dass sie die seltenen, erratisch aufpoppenden Momente intensiver Dynamik aufzugreifen und weiterzuspinnen vermögen. Dass sich das zunehmend nach spiritueller Meditationsmusik anhört, kann sicherlich funktionieren. Um hier aber bei der meteorologischen Metapher zu bleiben: Der Regenbogen ist weit überspannt und bis zur Unkenntlichkeit überzeichnet. Den wenigen Momenten, bei denen man tatsächlich glaubt, den Regen riechen zu können, folgen dahinplätschernde, um nicht zu sagen einfallslose Phasen der absoluten Dürre. Schade eigentlich, denn mit dem im letzten Jahr veröffentlichten »Windswept« gelang Jewel ein einhelliges Meisterwerk, das die verruchte Aura von David Lynchs »Twin Peaks«-Universum wesentlich mitprägen konnte (»Call for Help«). Diese Magie hat sich auf dem neuen Album buchstäblich in Luft aufgelöst. Auch die wenigen, fast schon sehnsüchtig erwarteten Regengüsse können daran nichts ändern. Zu aufgesetzt, zu geplant, zu sehr darauf konzentriert, das Schemenhafte klarer zu zeichnen, wird aus dem digitalen Regen vielmehr ein schnell vergessener Guss.

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