Johannes Vogel

Ein Glücksfall für die Schweizer Jazzszene.

Eine dynamische Persönlichkeit mit wachem Blick auf den aktuellen, internationalen Jazz, und wie in einem intelligent angelegten Miles-Davis-Solo fließen die Gedanken. Wenn Johannes Vogel über seine Arbeit als erfolgreicher Konzertveranstalter spricht, ist ein ansteckendes Knistern spürbar. Hier orgelt nicht jemand seinen minutiös geplanten Arbeitsalltag ab und erledigt freudlos Pendenzen. Der 43-Jährige weiß, was ihn täglich zu Höchstleistungen antreibt: »Meine aufrichtige Begeisterung für die Musik ist ungebrochen, daran ändert sich auch seit der Firmengründung vor zehn Jahren nichts«, schließlich organisiere er nur, was ihm persönlich auch gefalle und durch künstlerische Qualität überzeuge. Kontinuität, Ausdauer und »ein präzises Profil in der Programmation«, wie es bei Vogel schon beinahe leitmotivisch klingt. Klare Vorstellungen sind nötig, will man jährlich 80 Konzerte durchführen und rund 50.000 Konzertbesucher begeistern. Sein profiliertes Konzept schließt einen Gemischtwarenladen gänzlich aus und konzentriert sich einzig und alleine auf Jazz, Funk, Soul und World Music. Treue »All Blues«-Anhänger wissen schon im vornherein, was sie von Johannes Vogel geboten bekommen.
Bestimmt möchte der sympathische und umtriebige Eventmanager sein Know how in einen der unzähligen Nachdiplomstudiengängen weitervermitteln? »Alleine das Wort »Event« mochte ich nie! Jedes Kleinsterlebnis verkommt heutzutage zu einem »Event«, was ich bedenklich finde«, wehrt Vogel vehement ab, ferner stimmt er kritische Töne an: »Gegenüber jenen Kulturmanagement-Ausbildungen hege ich so meine Zweifel. Den Menschen wird etwas vorgesetzt, was »Glanz, Glimmer und intensive Künstlerkontakte« suggeriert. Aber am Ende sieht es am Schreibtisch und vor Ort meist ernüchternd aus. Ein Kulturbeitrag, und als das verstehe ich meine Arbeit, verlangt stets nach enormer Disziplin. Außerdem halte ich die Wortkombination »Management und Kultur« für verunglückt. Ich mache Konzerte, nicht weniger, aber auch nicht mehr«, klare Worte und Vorstellungen also auch darüber.
Doch auch der Jazz-Enthusiast ist vor gelegentlichem Selbstzweifel nicht gefeit und muss sich die Frage des Wie-Weiter öfters stellen, daran ändert auch ein aussichtsreiches, elftes Geschäftsjahr nichts. Back to the roots heißt die Zukunftsmusik und soll in den Publikumsohren in etwa so nachklingen: Ohne Brimborium unvergessliche Konzertmomente in einem schönen Rahmen bieten. Keine überdimensionierten Cross-over-Marketingfantasien, dafür nach wie vor Jazz von Top-Musikern. Mittlerweile unterstützen drei Angestellte Vogels arbeitsintensive Tätigkeit, wobei er außer in Zürich auch in den diversen Schweizer Städten mit lokalen Partnern kooperiert und damit viele weitere Mitarbeiter hinzustoßen.
Als Gymnasiast sang und spielte er Piano in einer Rock and Roll-Band, alsbald begann er in seiner Heimatstadt Schaffhausen Konzerte zu organisieren. Die Begeisterung war entfacht. Ehe der Autodidakt in Sache Kulturorganisation das Hobby zu seinem Beruf machen konnte und es zu Zusammenarbeiten mit internationalen Jazzgrößen kam, studierte Vogel zunächst an der Universität Zürich Geschichte und schloss mit dem Lizentiat ab. »Ich habe viel meiner Ehefrau Lisa zu verdanken, die mich auf meinem Weg in die Selbständigkeit stets unterstützte«, hält der Familienvater zweier Buben fest, »dieser Sprung nach dem Studium war nur möglich, weil sie einen 100%-Job als Lehrerin ausübte, doch glücklicherweise ließ der Erfolg nicht lange auf sich warten«. Eine leise Kernaussage über sein Erfolgsrezept entnimmt man, wenn Johannes Vogel den jungen Schweizer Jazzmusikern wünscht: »Von dem überzeugt sein, was man tut und unbeirrt seinen Weg gehen!«. Wer sagt’s denn, viel mehr Lehrsätze werden in den einschlägigen Lehrveranstaltungen auch nicht vermittelt.