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Coheed and Cambria

»In Keeping Secrets of Silent Earth: 3«

Columbia/Sony

Jetzt heißt es tief durchatmen: Durch den »Monstar«-Virus droht das Ende der Welt. Gottlob stemmen sich die beiden Kunstpersonen Coheed und Cambria, die Eingeweihte schon auf dem Erstling des New Yorker Emo-, Hardcore-Quartetts um Sänger und Gitarrist Claudio Sanchez quälten, auch auf dem Follow Up dagegen und waten durch Unmengen von Blut. Pathos on the rocks! Wann die endgültige Rettung kommt, ist allerdings unklar, denn wie es sich für ein ordentliches Weltraum-Epos gehört, ist das vorliegende zweite Album bereits Teil drei der Saga, während der Erstling in Wahrheit schon der zweite Teil war und so weiter und so fort. Doch erst nach Vorliegen der beiden fehlenden Teile (wohl eins und vier) sollen sich die Bruchstücke dann endgültig zu einem Gesamtkunstwerk zusammen fügen. So heißt es zumindest im hochtrabenden Pressetext. Eine gefährliche Drohung!
Nach dem in manchen Journalistenkreisen hochgelobten Erstling »The Second Stage Turbine Blade« durften offenbar nur all jene auf das vorliegende Nachfolgewerk gespannt gewesen sein, die – so wie ich – noch nie das Vergnügen mit Coheed and Cabria hatten, denn spätestens nach dem Intro, das auch dem Herren der Ringe gut zu Gesicht gestanden hätte, wird klar, in welche Richtung das Raumschiff dank Major-Vertrieb fliegen soll: Zu dem Planeten nämlich, auf dem 80er Bombast-Rock mit abwechselnder Metal- und Mainstream-Breitseite als das nächste große Ding abgefeiert wird. Dankenswerter Weise wurden wir hierzulande bislang davon verschont. Die Saga, Styx und Asia-Alben können also getrost im Schrank bleiben. Einzig die alten Rush-Platten lohnen das nochmalige Abspielen, denn Geddy Lee, dem Sanchez stimmlich so stark nacheifert, war selbst in seinen schwächsten Momenten mit Bass und Stimme um vieles ideenreicher und eindringlicher als Sanchez in seinen besten. Und auch wenn sich die großen Vorbilder schon Mitte der 80er zwischen Anspruch und Kommerz verloren, gibt es noch einen weiteren Unterschied: Rush bespielen im Herbst die Münchner Olympiahalle, C&C das Two Days a Week-Festival. Nachmittags wohlgemerkt. Wie heißt es im Pressetext doch noch so schön: Just don’t call it prog! Und ob wir das tun, auch wenn wir dabei für gewöhnlich lieber an King Crimson oder Fugazi denken und nicht an eine Platte, die wie eines dieser Fantasy-Brettspiele daherkommt: Überzogen, peinlich, entbehrlich.

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