Kid606

»Happiness«

Tigerbeat6

Die intrinsische Motivation zum Album »Happiness«, so verrät uns der Pressetext, bezog Kid606 nicht aus anderer Musik, sondern aus einschneidenden Erlebnissen, wie etwa seinem Umzug von Berlin nach Los Angeles, dem neuen Leben als Single und so profanen Dingen wie Strandaufenthalten, Road Trips, Sonnenuntergängen und Kuscheln. Klingt glaubwürdig und passt wie die Faust aufs Auge. Ohne jemals in L.A. gewesen zu sein traue ich mich zu sagen, dass »Happiness« nach dort klingt. Oder zumindest nicht nach Berlin. Jedenfalls hat Kid606, bekannt für kreativ benamste Alben und Songs wie etwa »Songs About Fucking Steve Albini« oder »Blood Stevia Sex Magik«, mit seinem neuen Album »Happiness« überraschende Freude an straighter, geradezu entspannender Flächenmalereielektronik gefunden, eben der passenden Musik zu Strandaufenthalten und Kuscheln in L.A. Wer hat hier nach Upbeat gefragt? Statt »Glitch« oder »Breakcore« lauten die Kapitelüberschriften nun eher »Ambient« und »Chillwave«, was in Grundzügen ja auch schon auf das Vorgängeralbum »Lost In The Game« zutraf. Doch »Happiness« trägt diese neue Wohltemperiertheit noch ein Stück weiter. Songs wie das sommerliche »Party Gambas« und vor allem »Coronado Bay Breezin’« sind fast schon unerhört entspannt und machen »Happiness« zum vermutlich ersten Album von Kid606, das man ganz einfach nebenbei hören kann. Ästhetisch ist der gebürtige Venezolaner mit seiner 14. Platte offensichtlich bei einem in der elektronischen Musik beliebten mysteriösen Formalismus angelangt, jedenfalls was das Cover betrifft (man ziehe zum Vergleich Tangerine Dreams »Force Majeure« oder Tychos »Dive« heran). Doch auch musikalisch hat er mit den erwähnten Künstlern heute mehr Schnittmengen als noch vor wenigen Jahren.