Gegen den Strich gezeichnete Kommentare

Seit mehr als zehn Jahren veröffentlichen Zeichner Stefan Katz und Schriftsteller Max Goldt ungewöhnliche Comic-Bände mit ebenso ungewöhnlichen Titeln.

Welcher Teufel muss die beiden wohl bei der Wahl des Titels geritten haben …? Eine Titelwahl wie »Der Globus ist unser Pony, der Kosmos unser richtiges Pferd« rührt zunächst etwas eigenartig an. Doch damit nicht genug – eigenwillig und schräg sind auch die über 70 Geschichten im neusten Band des erfolgreichen Comic-Duos Stefan Katz und Max Goldt. Das Zusammenspiel von unprätentiösem Zeichenstil und subtilem Text scheint jedenfalls hervorragend aufzugehen, Katz und Goldt ergänzen sich wie siamesische Zwillinge, die nur noch durch eine Operation zusammen gefügt werden müssen.
Max Goldt ist den meisten vor allem als Schriftsteller und Vorleser bekannt, er ist sozusagen ein »Handelsreisender in eigener Sache«. Weniger geläufig ist, dass er seit mehr als zehn Jahren mit dem Zeichner Stefan Katz das Duo Katz und Goldt bildet. »Ich wollte die Texte zu meinen Comic-Geschichten nicht selber schreiben. Irgendwann habe ich mir Kolumnen von Max geschnappt, sie gezeichnet und Max geschickt«, sagt Stefan Katz. Dazu Max Goldt: »Das hat mir gefallen. Ich habe Stefan eine Postkarte geschickt und ihm geschrieben, er soll nur so weitermachen.« Intensiv ins Rollen kam diese Zusammenarbeit erst recht, als Max Goldt eigens für Stefan Katz zu texten begann. Mittlerweile haben Katz und Goldt bereits acht Comic-Bände veröffentlicht.
Der neue Band versammelt vorwiegend aus den in »Die Zeit« erschienenen Postkarten Bolkos an dessen Freund Bronko (eine stammt übrigens aus Winterthur, Max Goldt macht bekanntlich regelmäßig im Casinotheater Halt). Bolko erweist sich in seinen Stenogrammen als eine schwer einzuordnende und leicht kapriziöse Persönlichkeit, indes mit einem sicheren Gespür für präzise Seitenblicke auf die scheinbar uninteressanten Dinge dieser Welt. Bolkos Bemerkungen zeugen von einer Vorliebe für die Popkultur und von einem großen Hang zur Gegenwartsbewältigung mittels treffender, von der Umgebung aber oft unverstandener Kommentare. Sein Wertesystem ist durchaus beweglich, damit aber auch kaum einschätzbar, was er nun für gut oder schlecht befindet. Oft wird kommentiert und manchmal zieht ein Kommentar eine zeichnerische oder textliche Variation nach sich, die bisweilen lustiger ist, als der Ausgangspunkt.
Wer den Nörgel- und Läster-Max in der »Titanic« liebt, wird auch das »globalisierte Pony« als anregende Lektüre mögen. Die Comic-Szenarien leben von einem ähnlichen Humor wie Goldts Kolumnen, beispielsweise von den unerwarteten und zum Teil abstrusen Assoziationen und Brüchen, die von einer Sprachüppigkeit selten gemildert werden. Dabei scheint sich Max Goldt in den Comics wesentlich freier zu fühlen als in seinen Prosatexten – die Comic-Texte sind verschrobener, verspielter auch und merkwürdiger, ohne zwanghaft eine Pointe anzusteuern. Die meisten der maximal zwei Seiten kurzen Comics enden ohne klassischen Gag, sie lösen sich dagegen sanft auf. Was aber wären Comics ohne Bilder? Goldts Texte allein wären hilflos – sie sind, um Sinn zu ergeben, auf Bilder angewiesen. Stefan Katz‘ Zeichnungen verbinden den Charme des klassischen und grob gerasterten Comic-Bildes mit der verfremdenden Kühle zeitgenössischer Gestaltung und setzen die Goldt-Texte kongenial um.

Max Goldt & Stefan Katz: »Der Globus ist unser Pony, der Kosmos unser richtiges Pferd« Edition Moderne, 96 Seiten, CHF 35,-