FS Massaker

»Plan B«

A-LO Records

Schon ein paar Jahre in Sachen Improv-Noise unterwegs, sowohl free-jazzig im brachialen Brötzmann’schen Sinn‎‎ als auch noise-rockig inspiriert, legt das in Wien ansässige FS Massaker mit »Plan B« seine erste LP vor. Erschienen ist das Vinyl auf dem kleinen, feinen A-LO Label, das nach dreckigem Motörpunk (Anstalt) und sauberem Motörrock (Boogie Hammer) mit dieser Veröffentlichung seiner Mission als »Audio Liberation Organisation« alle Ehre macht. Aufgenommen wurde in »Blue’s (sic!) House«, einem etwas desolaten Anwesen auf dem Lande. Dort, wo man (dem) Fremden und den in die verkommene Großstadt – Naked City! – Weggezogenen argwöhnisch begegnet. Ursprünglich wollte man ja in einem alten Folterturm in Laa an der Thaya aufnehmen. »Improvisation #5« generiert stimmigerweise hauntologische Spannungen. Richie Herbsts analoge Synthies (höre Regolith, Interstellar Rec.) sorgen für den Basicdrone über den sich die Vibes der Gastgitarristen Gunther Blauensteiner und Wolfgang Möstl (Mile Me Deaf) legen. Werner Thenmayer (ehem. Sex On The Beach) versetzt Becken und Felle in raumfüllende Schwingungen und Michael Masen spürt auf dem Tenorsax dem vagen Versprechen Melodie nach. Doch bevor sich dieses zu erfüllen scheint, interveniert Elise Mory (Möström, Gustav, Nitro Mahalia) auf einem kaputten präparierten Klavier. Wollten sie sich nicht auf die Suche nach Aylers »Ghosts« begeben? »Improvisation #6« besticht mit kühlem technoidem Beat. Während z. B. The Thing in ihrer »Viking Disco« shaken, lichten sich hier die letzten abgestandenen Rauchschwaden in der Dorfdisco, deren angekündigte Neueröffnung nie stattgefunden haben wird. »Improvisation #7« beginnt mit Stop-and-Go-Full-Blasts und steigert sich zu ekstatischem Powerplay. Danach müsste das Haus eigentlich eingestürzt sein. Doch das Kollektiv hat »stichhaltigen Gerüchten« zufolge überlebt. Live zu erleben in Wien am 12. Dezember 2019 im Fluc und am 30. Dezember 2019 im Venster99.