Elektro Jirschi

»Misery is wasted on the miserable«

art-records

Den Pianisten Jörg Leichtfried kennt man bisher eher aus akustischen Kontexten, wie zum Beispiel seinem Trio mit Hubert Bründlmayer und Stefan Bartus oder im Duo mit dem Mundharmonikaspieler Bertl Mayer. Mit seiner neuen Formation Elektro Jirschi widmet sich Leichtfried erstmals amplifizierten Klängen und setzt sich ans Fender Rhodes. Daniel Aebi spielt ein minimalistisch aufgebautes Schlagzeug (Ein Case dient als Bassdrum!), Alexander Wladigeroff ist an der Trompete sowie am Flügelhorn und am Tieftöner steht Georg Buxhofer. Gemeinsam widmen sich die Vier der Tradition reduzierter und weit zurückgelehnter HipHop-Beats, Vorbilder könnten unter anderem Gurus Instrumentals von der »Jazzmatazz«-Reihe oder BADBADNOTGOOD gewesen sein. Das E-Piano verbreitet, gekonnt zurückhaltend gespielt, eine entspannte wie warme Grundstimmung, das Gefühl einer Live-Session im eigenen Wohnzimmer kommt auf, im Rahmen einer solchen diese EP auch entstanden ist. Der Vibe wird noch verstärkt durch den Klang der Aufnahme, der erdig, teilweise sogar roh auftritt. Der E-Bass klingt unverstärkt, unprätentiös, das Schlagzeug schmiegt sich, leicht und leise gespielt, passend dazu. Die Melodien sind, entgegen der Suggerierung des recht schwerwiegenden Titels der Platte, federleicht und purzeln in einer gleichfalls entschleunigten Manier aus Wladigeroffs Hörnern. »Misery is wasted on the miserable« trägt einen heftigeren Titel als Inhalt, trifft man doch im Laufe des Albums beispielsweise auf die vertraute, hoffnungstragende Melodie von Bill Withers »Lovely day«. Der im Zusammenspiel mit Aufnahmeleiter Alexander Yannilos entstandene Sound lädt zum Entspannen und Treibenlassen auf Basis hübscher Tunes und groovender Beats in bewährter HipHop-Instrumental-Tradition ein.