Ein ganz normaler Sonntag

Rocko Schamonis Antiheld Michael Sonntag ist zurück. Und mit ihm das Chaos. 

Mit »Tag der geschlossenen Tür« lässt Rocko Schamoni seinen Protagonisten aus »Sternstunden der Bedeutungslosigkeit« zurückkehren: Michael Sonntag. Verändert hat er sich kaum. Wie schon im ersten Teil lebt Sonntag nicht sein Leben. Sein Leben lebt ihn.

Sonntag ist arbeitslos und besitzt für einen Vorzeigebürger wohl keine Existenzberechtigung. Arbeiten will er nicht. Gewöhnliche Hobbies hat er nicht. Es sei denn, er macht sich selbst zum Museumswärter, in dem er sich eine Uniform besorgt und durchs Museum schreitet. Von Zeit zu Zeit beschäftigt er sich mit dem Schreiben von abstrakten Kolumnen, die zu sicheren Wutanfällen des Chefredakteurs führen. Auch sammelt er Absagen für seine – bewusst auf Absagen abzielenden – Manuskripte, die er an verschiedenste Verlage schickt.

Konstanten gibt es wenige in seinem Leben. Vielleicht noch »Totelinchen«. Eine leicht zu beleidigende, tote Fliege, die er in einer kleinen Streichholzschachtel mit sich herumträgt, um irrwitzige Gespräche mit ihr zu führen. Daneben lässt Sonntag sein Leben ungehindert passieren, ohne wirklich einzugreifen. Mit der entfernten Sehnsucht nach Marion Vossreuther, einer Handyverkäuferin, die perfekt im Leben verankert zu sein scheint. Er kauft ihr sogar ein Handy ab. Obwohl er keine Nummern besitzt. Zwischenmenschliche Kontakte sind eine Seltenheit, abgesehen von Gelegenheitsbekanntschaften und unregelmä&szligigen Treffen mit Nowak, seinem nie zurechnungsfähigen Freund mit ständig noch abstruseren Geschäftsideen.

Verstrickte Handlungen und komplex konstruierte Geschichten sind nicht Schamonis Art Bücher zu schreiben. Der Hamburger besticht aber auch mit seinem neuen Buch durch sein beeindruckendes Sprachgefühl und seinem fast gefährlich genialen Wortwitz. Gleichzeitig ist Sonntag der extreme Gegenpol zur alltäglichen Gesellschaft. Immer wieder schie&szligt Schamoni durch seine Figur feine Nadelstiche gegen diese. Es hei&szligt, jede Geschichte braucht einen Helden, in diesem Fall genügt allerdings ein Anti-Held.

Rocko Schamoni: »Tag der geschlossenen Tür«, München: Piper 2011, 270 Seiten, EUR 17,50