»Dieser Film ist ein Geschenk« © Stadtkino Verleih

Ein bisschen spoerrig

Anja Salomonowitz’ Collage »Dieser Film ist ein Geschenk« ist eine liebevolle Danksagung an den Künstler Daniel Spoerri und eine erfreuliche Geste an die Welt, die ebenso zum Nachdenken anregt. Eine unmittelbare Reaktion.

Die nur knapp siebzig Minuten dauernde neue Produktion von Anja Salomonowitz ist gleichermaßen das, was sie selbst verspricht: ein Geschenk, eine Inspiration, eine Idee, ein Entwurf. Überdies hinterlässt die Collage über den »Fallen-Künstler« Daniel Spoerri ebenso einen Eindruck, der einlädt, weiter zu denken.

In der Falle
Der aus Rumänien stammende Daniel Spoerri, Mitbegründer der Künstlergruppe Nouveau Realisme, wurde Mitte der 1960er-Jahre speziell durch seine »Fallen-Bilder« berühmt, jene Assemblagen, in denen Spoerri Momentaufnahmen zufälliger Ansammlungen von Gegenständen zu Kunstobjekten erhob, indem er sie auf dem ebenfalls zufälligen Untergrund befestigte. Als einer der wichtigsten Vertreter dieser neuen Objektkunst wandte er sich in späteren Jahren allerdings von diesen »Fallen« ab und holte sich die Inspiration in weiterer Folge durch das Flanieren auf Flohmärkten. Diese Collagen, die Spoerri bis zum heutigen Tag anfertigt, waren ebenso der Anknüpfungspunkt für Salomonowitz’ Film.

»Dieser Film ist ein Geschenk« © Stadtkino Filmverleih

Spoerris Arbeit mit Fundstücken von Flohmärkten folgt seiner Idee eines Kreislaufs, in dem wir uns in der Welt und mit den Gegenständen befinden – der Künstler bleibt darin nur eine Spielfigur, die Zufälligkeiten bewusst hervorhebt, anstatt das zufällige Arrangement dem Lauf der Zeit zu überlassen. Dieser Idee folgend sind die Gegenstände auf einem Flohmarkt »[…] aus einem Zusammenhang herausgerissen und stehen wieder nackt da, ohne Geschichte. Indem ich sie sammle und versuche, in eine Komposition einzubauen, gebe ich ihnen wieder einen neuen Zusammenhang, einen neuen Sinn … oder Unsinn«

Die Collage-Hommage
Die Collage, die Anja Salomonowitz nun ihrerseits anfertigt, folgt gewissermaßen diesem Gedanken und bleibt so ihrem Ideenschmied treu. Durch den Einsatz ihres Sohnes, der abwechselnd zu Daniel Spoerri die passagenweise erzählte Geschichte seiner Flucht aus Rumänien ins Exil in die Schweiz erzählt, bleibt auch in der Narration des Films die Kernidee einer Collage erhalten. Besonders amüsant ist dabei etwa eine Sequenz, in der Salomonowitz ihren Sohn einen zuvor gezeigten Entstehungsprozess zu einer von Spoerris Collagen nachspielen lässt, in der er in Dialog mit einem Mitarbeiter Spoerris tritt und mit dem selbstironischen Satz endet: »Das haben wir schon zu oft manipuliert.«

»Dieser Film ist ein Geschenk« © Stadtkino Filmverleih

Wie Spoerris Kochlöffel-Kollektion, so werden auch die Sequenzen in diesem Film spielerisch miteinander verwoben, sodass die kinematographische Liebe zum Detail Hand in Hand mit Spoerris Hingabe für seine zahlreichen Objekte geht (die im Übrigen auch ständig im Hintergrund zu sehen sind und so auch bildhaft zum Gesamtgefühl beitragen). Salomonowitz selbst erklärt im Film, warum ihr Film ein Geschenk sei: Sie habe Spoerri nach dem Tod ihres Vaters ein altes Porzellanherz gebracht, das sie in seiner Wohnung gefunden hatte, quasi um es »loszuwerden«. Prompt setzte Spoerri dieses dann in einer Collage ein und schenkte es Salomonowitz zurück, die sich ja eigentlich davon loswissen wollte. Dieses Umdenken von Erinnerung, die Re-Kontextualisierung von Altem, war der Anstoß für diesen Film.

Ein Geschenk
Was wohl aber das Schönste an dieser liebevoll gezeichneten Film-Collage ist, ist, wie sie es schafft, mühelos und spielerisch Eindrücke in eine Ideenwelt zu geben, die ein viel grundsätzlicheres Nachdenken über Kunst evoziert: Die Unvermitteltheit, die ein künstlerisches Statement gerade dann hat, wenn es nicht versucht, an irgendein dahinterliegendes Etwas zu appellieren, sondern uns eher das aufzeigt, in dem wir schon eingebunden sind. Ähnlich gedacht wie Paul Celan, der seine Gedichte als »Geschenke an die Aufmerksamen« beschrieb und sie an anderer Stelle sogar mit einem Handschlag gleichsetzte: Eine Kunst, die uns nicht wegreißt in eine Transzendenz, die uns ein ominöses mehr an Erfahrung verspricht, sondern vielmehr eine Kuns,t die uns bei der Hand nimmt und sagt: Genau hier stehst du und nirgendwo anders, schau dich um!

»Dieser Film ist ein Geschenk« © Stadtkino Filmverleih

Im selben Zug erlaubt uns Daniel Spoerris Kunst also ebenso eine ästhetische Erfahrung, die uns die Möglichkeit gibt, die Welt ein wenig besser zu verstehen. Um auf der anderen Seite dann doch nur wieder zu erkennen, dass sie ebenso nur ein kleiner Teil dieses Kreislaufs ist. »Ich sehe ja aus, als würde ich über Leben und Tod urteilen, dabei ordne ich nur Kochlöffel.«

Der österreichische Kinostart für »Dieser Film ist ein Geschenk« von Anja Salomonowitz ist der 6. Dezember 2019.