Dokumentierte Tokyoter Tücken

Moresukine ist die japanische Schreibweise für die bekannten Moleskin-Notizbücher. Was es damit auf sich hat, zeigt ein eindrücklicher Comic von Dirk Schwieger.

Den Comic-Zeichner und Wahl-Berliner Dirk Schwieger verschlägt es für eine Weile nach Tokyo. Um dort seine Eindrücke festzuhalten, richtet er einen Comic-Blog ein. Ursprünglich war Moresukine als ein interaktives Internetprojekt gedacht, welches schließlich vom 2. Januar bis zum 3. Juli 2006 stattfand. Leute aus aller Welt konnten Schwieger anschreiben und ihm Aufgaben stellen. Sämtliche Missionen mussten erfüllt werden, in der Reihenfolge ihres Eintreffens und ungeachtet davon, ob sie dem Zeichner gefielen oder nicht. Die eingesandten Wünsche und Fragen führten Dirk Schwieger in Museen und Restaurants, auch ins berüchtigte Tokyoter Nachtleben oder sie schickten ihn auf eine Achterbahnfahrt auf dem Dach eines Einkaufszentrums. Aus diesen Erlebnissen schuf er in seinem Blog Woche für Woche kleine, tagebuchartige Episoden. Insgesamt 24 solcher Aufträge hat Dirk Schwieger ausgeführt und in Moresukine dokumentiert.
Seine Auseinandersetzungen mit der japanischen Kultur sind nicht nur sehr unterhaltsam und amüsant. Eine fremde Kultur wird dargestellt, um sogleich das »Lost in Translation«-Syndrom auf spielerische Art zu umgehen. Moresukine berichtet über skurrile Begebenheiten, die Erzählweise könnte dabei kaum origineller sein. So spielt Schwieger immer wieder mit dem Medium Comic selbst. Die Panels der Kapselhotel-Episode besitzen allesamt die Form einer von vorne betrachteten Schlafkapsel. Die Panels der Achterbahn-Geschichte dagegen sind durcheinander geschüttelt, so dass man sich beim Lesen fühlt, als stünde man selber Kopf. Der Leser wird durch diese Kunstgriffe immer wieder direkt in die Handlungen hineingezogen und hat unmittelbar Anteil an den Eindrücken Schwiegers. Am Ende des Tagebuch-Comic sind zehn kurze Episoden verschiedener internationaler Künstler angefügt, denen Dirk Schwieger seinerseits einen Auftrag erteilt hat: etwa in der eigenen Stadt einen Japaner treffen und mit diesem ein Gespräch führen. Dabei ist eine extrem vielseitige Ansammlung skurriler Geschichten herausgekommen wie etwa diejenigen von Monsieur Le Chien aus Paris, Ryan North aus Toronto oder Leo Leowald aus Köln. Was bei Moresukine als erstes ins Auge sticht, ist die originelle Aufmachung des Bandes. Er sieht nämlich tatsächlich aus wie ein Moleskin-Notizbuch.

Dirk Schwieger, Moresukine: »Wöchentlich aus Tokyo« Reprodukt, 160 Seiten, Softcover s/w, Euro 16,- CHF 29,50