Diagonale 2001: »Austrian Abstracts« und »Musik-Video-Programm«

Das Filmfestival in Graz ist gar nicht so weit weg von elektronischer Musik, wie es scheinen könnte. War doch zum dritten Mal die Reihe »Austrian Abstracts« zu sehen – Experimentalvideos, die durchaus in einem Naheverhältnis zu Elektronikern stehen, nicht zuletzt weil Christian Fennesz und DJ Pure zwei der Musiklieferanten sind.

Die jährliche Werkschau heimischer Filmproduktionen der Diagonale konnte heuer ein Umsatzplus von 12 % erreichen und zog mit 122 gezeigten Filmen rund 20.000 Besucher an. Bereits zum dritten Mal wurden Musikvideos mit den Schienen »Austrian Abstracts« (AA) und dem »Musik-Video-Programm« (MVP) gezeigt. Einiges hat sich getan, Manches verharrte in der Widerholungsschleife. Die Wogen haben sich nach den letztjährigen dröhnenden Feedback- und Flickerexzessen wieder ein wenig geglättet. Geschmähte Abstraktionskunst und belächelter Kommerz haben sich zu einem stimmigen Bild geformt und lassen derartige Dichotomien einmal mehr als immer redundanter erscheinen. In Planung ist eine Compilation der Compilations aus den letzten Jahren. Wann diese auf dem Markt sein wird, ist noch nicht geklärt. Das Teil wird aber ein guter Nachlese-Seismograph für vergangene und kommende Tendenzen und Trends werden.

Sichtlich Unsichtbar

Wie schon die letzten zwei Jahre zeichnete Norbert Pfaffenbichler vom »Videokollektiv« Vidok für die Kuratierung der »AA« verantwortlich. Die heurige Auswahl wurde mit Videos wie tinhokos »spartial lines«, Tina Franks »travelonliv« oder »uta zet« von reMI dem Namen des Programms gerecht. Auffallend war, dass heuer weit weniger 3D-Animationen und Found Footage eingesetzt wurde. Pfaffenbichler verortet die Ränder der Arbeiten zwischen »bewegter bildender (gegenstandsloser) Kunst, animierter graphischer Notation und experimentellem Film und Video«.

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reMI: »uta zet« (Sixpack Film)

Um narrative Elemente geht es nur partiell; genauso wenig wie um ein Abfeiern der neuesten technischen Tricks. Zwar blitzte nach wie vor Gegenständliches eher selten auf. Dafür haben sich die Video-Artists mittlerweile eine sichere Arbeitsweise angeeignet, die sich mit der Ûberwindung von Sichtbarem und Unsichtbarem beschäftigen (z. B. Paul Divjaks »Journey«). Das Stadium des Herum- experimentierens geht langsam zu Ende. Ein überwiegender Teil der Künstler ist dabei, eigen- ständige Bildsprachen zu entwickeln, die anhand einiger Negativ-Beispiele umso sichtbarer wurden.

Formenvielfalt

Barbara Pichler (Sixpack Film/Wien) hatte letztes Jahr zusammen mit Christoph Kurzmann vorgehabt, eine österreichische Musikvideo-Retrospektive zu koordinieren. Dieses Projekt konnte indes aufgrund von Finanzierungsschwierigkeiten nicht durchgezogen werden. Nichts desto trotz wurde Pichler von den Diagonale-Kuratoren Christine Dollhofer und Constantin Wulff mit der Auswahl für die Kompilation des »MVP« beauftragt. Das war gut so, hatte es im letzten Jahr doch einige starke Ûberschneidungen mit den »AA« gegeben. Für die dreizehn Werke galt es, »ob es in den Videos den Versuch gab, in der Verbindung von Bild und Ton zu einer schlüssigen Form zu finden.«

Höchst divergentes Material wie Michaela Schwentners Video »#Z«, Harald Hunds »Warm Humans« oder »Endeka« von Axel Stockburger kam dabei zum Einsatz und eröffnete ein weites Feld zwischen immaterieller Electronica-Art und bildhaften Ansätzen von Narrationsbögen, die eine »gewisse Verweigerungshaltung gegenüber einer Tradition der ›offensichtlichen‹ Bebilderung« aufrecht erhalten. (Katalogtext)

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Michaela Schwentner: »#Z« (Sixpackfilm)