Frank Bretschneider

Curve

Mille Plateaux

So. Trotz gefluteter Releasetore durch skandinavisches Clicken, Wummern, BoingBumTschacken, bleibt die Perle elektronischer Minimalia in (ost-)deutscher Hand. Mit »Clicks & Cuts« hat das Force Inc/Mille Plateaux-Labelkonglomerat einen genial generativen Überbegriff rein selbstreferentieller Maschinenmusik geschaffen. Keine Stimmen. Keine »natürlichen« Samplequellen. Keine gewöhnlich »warmen« Signifikanten wie Songtitel oder das Logogrinsen vom Cover. Pure Synthetik. Technik unter sich. Tanz des Mathematikers. Und trotzdem Kunst- und spaßfähig. Das kalte Sounds aus kalten Ländern kommen müssen, verlangt schon das Konsumklischee: Entsprechend würdig zeigt sich House und Ambient im Gletschershuffle des Finnen Vladislav Delay . Durch martialisch stur bewegende Technowatschen mittels des Finnen Exos. Im knochentrockenem Dubclick-Stampfen respektive den von Schweiß und Menschlichkeit befreiten Breakbeats der Stockholmer Mickael Stavöstrand und Andreas Tillander. Alle glitzern in brillianter Abstraktion, im rhythmisierter Reduktion auf die Musikessenz des Computerbrummens, auf Glitches, Kratzsounds, Sphärenfiepen. Doch bei kaum einen reicht die künstlerische Grundvision zum vollen Album. Anders Bretschneider in seiner perfekten Raumtoninszenierung mit ökonomischst eingesetzten Soundmitteln. Da dankt sich der studierte Graphic Designer nicht nur im trendfern farbintensiven Cover, sondern zeigt den bildhaften Dramaturgen, den exaltiert chillenden Wavehead (KORG-Meister bei 80s-Band AG.Geige) und erfahrenen Experimentierer (sonst als Komet und Produkt, Mitgründer der Raster.Noton-Posse) beim Verlegen von spartanischen, in sich vor Lebendigkeit explodierenden Ambient-Dub-Gerüsten. Die heiße Steppe nach Mouse on Mars. Pole, intensiviert.