Communication Breakdown

In der Charité zu Berlin gab es vom 13. bis 15. Mai 2011 den internationalen und natürlich interdisziplinären »Workshop« Schizophrenia & Self-Consciousness. (Ja, die Sprache des Herrn ist Englisch!) skug undercover.

Foto: Emil Kraepelin

Schon vor Monaten, so wurde verlautbart, habe man die Aufnahme stoppen müssen: zu gro&szlig sei das Interesse am Thema, zu viele wollten teilnehmen, zu beschränkt seien aber relativ dazu die Räumlichkeiten, in denen wenigstens wir uns nun eingefunden haben, um besser fassbar zu machen, was so viele aus der Fassung bringt: Disturbances of Agency, Thought Insertion, Self-Disturbances – so die drei thematischen Blöcke, in welche »Schizophrenie« unterteilt wurde.

Wobei man sich die Anführungsstriche besser sparen sollte, denn obgleich der symptomatische Ausdruck ungeheuer facettenreich ist und man sich die alle auf einen Nenner gebrachten Fälle vielfältiger unmöglich ausdenken könnte, so scheint doch ausgemacht zu sein, dass es sich stets um ein- und dasselbe Phänomen handelt – und zwar ein pathologisches: Wer schizophren ist, gehört behandelt und zwar zunächst einmal mit Medikamenten, weil, so hört man wiederholt, der Leidensdruck einfach unerträglich sei. Fragt sich nur für wen.

There Are Witches In My Belly
schizo1.jpgNatürlich für die Etikettierten; aber dann auch für diejenigen, welche glauben, Verantwortung übernehmen zu müssen: zunächst sind das in der Regel die nächsten Verwandten oder sehr gute Bekannte, im weiteren dann Psychologen, Psychiater und andere Wissenschaftler, welche ebenfalls gerne Experimente machen, oder Brainscans – oder lieber noch gleich beides, wie etwa Martin Voss et alii: in der Regel arbeitet man ja ausschlie&szliglich mit Medikamentierten (manche behaupten gar, anders geht’s nicht). Nur gut, dass »darauf«, wie es hei&szligt, nicht jede/r gleich gut »anspricht« und mitunter »neu eingestellt« werden muss. In der zwischenzeitlich notwendigen Entschlackungsphase sei schlie&szliglich der experimentelle Nachweis gelungen, dass Auditory-Verbal-Hallucinations (AVHs) eindeutig von sog. Thought Insertions unterschieden werden können, seien sie doch jeweils ganz anderswo lokalisiert worden!

Wie in diesem Fall, wo der Befragte selbst in einem Computertomographen befindlich per Knopfdruck auf bestimmte Fragen reagierte, sei man letztlich immer auf das Zeugnis oder die Aussagen der »Schizophrenen« angewiesen, so Shaun Gallagher, der, wie es sich für einen solchen gehört, um einen Tag zu spät eingetroffene Star der Tagung. Den jüngst gemachten Vorschlag eines gewissen Billon (2011), was die (potentiellen) Patienten so von sich geben, at face value zu nehmen, könne er zwar nicht ganz nachvollziehen, very seriously aber schon: Ist es eine vertraute oder eine unbekannte Stimme, die gehört wird? Kommt sie von au&szligen oder von innen? Ist sie laut oder leise, angenehm oder bedrohlich usw. Denn wer könnte darüber besser Auskunft geben als der oder die Empfänger/in selbst? Eine blo&szliger Fragebogen wäre jedoch keineswegs hinreichend: Man müsse dem psychotischen Subjekt gestatten, seinen eigenen Fall selbst zu definieren.

Feeling Unreal (Tournaments)
schizo2.jpgVersuchsanordnungen zur künstlichen Erzeugung visuell-propriozeptiver Konflikte dienen der Erforschung so seltsamer Phänomene wie dem – Dr. Strangelove lässt grü&szligen! – Alien-Hand-Syndrom, oder was sonst noch so au&szliger Kontrolle geraten mag. Ob mittels Spiegeln oder per Bildschirm: hier dreht es sich um die Frage, wie weit man sich seiner selbst gewiss bzw. sich seiner (fein-)motorischen Bewegungen sicher sein muss, um noch als »normal« durchzugehen; Chlöé Farrer stellte ihre diesbezüglichen Untersuchungsergebnisse vor. Nebenbei wird auf Arzy und Blanke (2005) verwiesen, denen es tatsächlich gelungen ist, mittels gezielter Stromzufuhr Out-of-Body-Experiences zu induzieren (und momentan hoffentlich damit beschäftigt sind, diese Technologie endlich auch freizeitlich nutzbar zu machen).

Experimentelle Arbeiten an der Feinabstimmung zwischen normal und pathologisch heben diese Unterscheidung zwar nicht auf, verunmöglichen jedoch wenigstens die Ziehung einer klaren Grenze … Wie es aber gelingen könnte, der von Heinz Andreas, dem Direktor der Charité, einleitend erwähnten »simple-distinction-fallacy« überhaupt zu entgehen, dafür würde es sich vielleicht lohnen, eben jenen ein Ohr zu leihen, welche dafür berüchtigt sind, alles(?) durcheinanderzubringen. Die Tagung insgesamt verlief jedoch – trotz psychopolitisch brisanter Thematik – in äu&szligerst wohlgeordneten Bahnen. Nur einmal wollte sich jemand vom Typ ??Verrückter Professor?? zu Wort melden, ohne davor aufzuzeigen. Er wurde unversehens zum Schweigen gebracht. Unterschwellig fordert das unausgesprochene Scharmützel an der Realitätsfront eben doch seine Opfer.