Mgła & Clandestine Blaze live © YouTube

Braune Grauzone

Wenn Antifaschist*innen mit aller Macht und meist aus eigener Tasche bezahlt gegen Rassismus, Antisemitismus, Xenophobie usw. vorgehen, werden sie nicht selten selbst zu Täter*innen gemacht. So auch bei den kürzlich gecancelten Konzerten der Bands Mgła und Deus Mortem. Ein kurzer Kommentar.

Was sich im deutschsprachigen Raum gerade um die polnische Black-Metal-Band Mgła abspielt, ist in vielerlei Hinsicht relevant und interessant und nicht minder erbärmlich. Kürzlich wurden einige Konzerte der Band Mgła und ihres selbst gewählten Support-Acts Deus Mortem abgesagt und in einigen Fällen kurzfristig verlegt. So auch im Fall der Grellen Forelle. Die derzeit international als coolster Wiener Club geltende Venue mit Fokus auf elektronischer Tanzmusik punktet auch immer wieder mit dem einen oder anderen heißen Act anderer Randsparten. So sollte am 3. Mai 2019 besagtes Black-Metal-Duo dort auftreten. Jedoch kam etwas dazwischen: Auf Druck diverser antirassistisch engagierter Gruppierungen wurden die Konzerte in Berlin und im Münchner Backstage gecancelt. Der Grund: Paweł Pietrzak, Drummer der Band Deus Mortem, ist auch Mitglied der Band Internal War (bzw. Infernal SS), einer offen rechtsextremen Gruppe, die auch nicht davor zurückschreckt, unter letztgenanntem Namen auf dem rechtsextremen Hot Shower Fest in Italien aufzutreten und Interviews mit »Sieg Heil!« zu schließen. Ein Grund für die Betreiber*innen der Grellen Forelle, letztlich auch Mgła, welche Deus Mortem engagierten, für ein Konzert zu disqualifizieren.

Rechte Wurzeln
Es wird natürlich behauptet, Mgła sei »Grauzone«, also nicht eindeutig dem rechtsradikalen Spektrum zuzuordnen. Doch im Grunde ist es eindeutig: Der Sänger und Anführer der Truppe, Mikołaj Żentara, stand hinter dem Power-Electronic-Projekt Leichenhalle und veröffentlichte im Jahr 2000 ein Album mit dem Namen »Judenfrei«. Auf dem finden sich unter anderem Songs wie »Jerusalem in Flames«, »Judenfrei«, »China Scum« und »Holy Leader«. Ob das nun bloß geschmackloser Szenescheiß ist oder man dem Urheber gewisse geistige Tendenzen unterstellen kann, muss jede*r für sich selbst beurteilen. Fans werden mit Sicherheit behaupten, dass er sich eben der in der Szene üblichen Bilder bedient und nicht beim Wort genommen werden darf, weil das ja Kunst ist und da sei das erlaubt.

Auch, dass Mikko Aspa, Boss des Mgła-Labels Northern Heritage, Bands wie Misogynist Pussyslasher und Songs mit Titeln wie »Proud to Be Pedophile«, »Drunken Cunt (The Great Gangrape Party)«, »Satisfaction Is Man’s Privilege«, »A Feminist Meeting Terrorized by Horny Rednecks« usw. promotet und in seinem eigenen, in diesem Fall interessanteren Projekt Clandestine Blaze von der Zerstörung von Synagogen und von der »islamischen Plage« spricht. Dumpfe, infantile Provokation oder überspitzt gemeinter Szenesprech, der am Ende auch noch irgendwo sozialkritisch ist? Leider aber auch der gleiche Szenesprech von Rechtsextremist*innen, die nicht davor zurückschrecken, diese Gedanken in die Tat umzusetzen. Interessanter Fakt: Mgła und Clandestine Blaze teilten sich bereits die Bühne und spielten Songs der jeweils anderen Band.

Wie der Wind weht
Ist die Band Deus Mortem »Grauzone«? Mit Sicherheit nicht. Sie sind offen rechtsextrem. Und Mgła? Für die vielen aufgebrachten Fans – der Facebook-Veranstaltung des Konzertabends in Wien nach zu urteilen sind es vor allem männliche – offensichtlich schon. Diese nämlichen werfen den Locations vor, vor linken Extremist*innen »den Schwanz einzuziehen«. Antifaschist*innen werden nun als Täter*innen gebrandmarkt bzw. wird ihr »Getue« als übertrieben dargestellt. Konzertveranstalter*innen sprechen von einem »neuen Wind«, der wehe. Damit ist aber nicht die rechte Gewalt und ekelhafte, antidemokratische Grundstimmung gemeint, sondern die angeblich die freie Meinung und Kunst unterdrückende Stimme aus der Mitte der Gesellschaft und links davon, die dies anspricht und mit allen Mittel bekämpft.

Ja, man muss schon ordentlich feige und vor allem rückgratlos sein, wenn man ausverkaufte Konzerte international gefragter Bands wie Mgła absagt und damit hohe Summen einbüßt, wie im Fall des Wiener Clubs Grelle Forelle. Anstatt froh darüber zu sein, dass es noch immer Menschen gibt, die in ihrer Freizeit gegen Hass und alles Schlechte in der Welt kämpfen, reagieren die Fans, als hätte man sie ihres Spielzeugs beraubt. Anstatt auf einen Abend mit Black Metal zu verzichten, reden sie sich objektive Scheiße schön. Das ist schade, zeigt es doch so klar, wie der Wind gerade wirklich weht. Statt mit Nichtstun ein klares Zeichen gegen Antisemitismus und Rassismus zu setzen, haben sie sich die Mühe gemacht, innerhalb kürzester Zeit eine neue Location in Wien zu suchen und das Konzert andernorts auf die Beine zu stellen. skug wünscht natürlich einen schönen Abend.