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Big Brave

»Vital«

Southern Lord

Die Kanadier*innen von Big Brave veröffentlichen bei Southern Lord ihr fünftes Album und sie bestätigen mit diesem brachialen Trip, dass sie zum Spannendsten gehören, was da im Sludge-Metal-Orbit so herumschwirrt. »Abating the Incarnation of Matter« setzt den hohen Maßstab, an den sich diese gut 35 Minuten halten. »Hal Breed« schließt daran an. Es ist Robin Watties Gesang – den man sich so vorstellen kann, als würde Björk Steve von Till und Scott Kelly bei Neurosis ablösen der neben und mit dem gewaltigen Sound der beiden Mitmusiker aufhorchen lässt. Jedes Wort, jede Zeile ihrer Texte, die unter anderem von Rassismuserfahrungen und der Frage nach der eigenen Herkunft handeln, gehen ein und auf in dem wuchtigen Noise und Drone und entfalten so ihre Stärke. Es ist zugleich eine autobiographische Platte, legen die Aussagen von Wattie nahe, die in einem Interview begeistert von dem Buch »How to Write an Autobiographical Novel: Essays« von Alexander Chee berichtet. Doch auch ohne näher auf Inhalte und Bedeutung ihrer Worte zu achten, entfaltet ihre ungemein beeindruckende Stimme eine wahnsinnige Wirkkraft. Nach der atmosphärischen Intermission »Wited. Still and All« folgt »Of this Ilk«, das sie just samt Video auf der Online-Ausgabe des heurigen Roadburn Festivals präsentierten. Nicht ganz zu Unrecht wird ihre Art und die der Band mit den wuchtigen Instrumentalparts, die sich stakkatoartig in die Gehirne der Lauschenden hämmern, und Vocals wie von einer Predigerin mit den Swans verglichen. Diese Intensität bauen sie in Stücken von etwa 8 Minuten Länge auf, und es gelingt ihnen in jedem, das Energielevel zu halten. Mit dem mesmerisierenden Closer »Vital«, der diese im Genre nicht unüblichen Glocken benutzt, um das weihrauchige Klima zu erzeugen, schaffen sie, trotz den alles zerballernden letzten zweieinhalb Minuten weniger eine Katharsis als den Wunsch, das Album einfach nochmal von vorne zu hören. Laut. Gut. Aufgenommen im letzten Jahr, mitten in der Pandemie, zerfetzt dieses saustarke Album die Krusten sämtlicher Rezeptoren und begleitet Hörer*innen in heilige, vitalere Sphären als die der ewigen Isolation und damit einhergehenden Depression.

Home / Rezensionen

Text
Lutz Vössing

Veröffentlichung
18.04.2021

Schlagwörter

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