Illustration © Pe Tee

Beschäftigungstherapie #9

Man muss die Zeit in Quarantäne nicht schlimmer machen, als sie ist, und sich zwingen, eine neue Sprache zu lernen oder gar mit Yoga anzufangen. Ein paar Liegestützen und Bier reichen auch. Für diejenigen, die nun viel Zeit zuhause verbringen (müssen), Lutz Vössings 20 Eurocent zur Artikelserie.

Wenn einem vor lauter gezwungener Introspektion das Gehirn brennt, wenn die Stimmungsschwankungen den Alltag unerträglich machen, hilft neben einer guten Runde Nordic Walking oft schon, ein Bierchen aufzulegen und sich eine nette LP der Wahl einzugießen. Als Getränke seien tiefpreisige Craft Beers oder mittelpreisige, trockene Rotweine empfohlen, bei der Musik ist es dann schon etwas komplizierter. Hier ein paar sehr gute Empfehlungen:

Hörenswert
Die menschliche Stimmung ist wie ein Autorennen. Nimmt man eine Kurve mit hoher Geschwindigkeit, muss man dagegenlenken, um sie zu durchdriften und nicht aus der Spur zu fliegen. Der Vergleich ist schlecht, doch die Musik, die ich empfehle, ist sehr gut. Und sie kann helfen, etwaige Tiefs zu überbrücken oder, wenn man gar nichts mehr fühlt, Wunden zu öffnen und sich in sich selbst zu suhlen.

John Prine, möge er in Frieden resten, schrieb ein prima Liebeslied, und diese Live-Version ist nicht ohne:

Brasilien bietet neben dem melancholischen Bossa Nova natürlich auch gewohnte uplifting Beats. Hier eines der schönsten Lieder von Caetano Veloso, der Grinsekatze:

Oder: den Arm aus dem Fenster halten, mit dem anderen Finger über die eigene Nase cruisen und T. Rex pumpen, auf Dauerschleife, laut, und gerne dazu ein Glas Wasser, denn es wird heiß:

Passend zum Sonnenstich ein angenehmer musikalischer Trip von diesem Klassiker:

Voller Vorfreude warten wir alle gemeinsam auf die neue Platte von The Beths:

Wer sowieso schon ständig das Radio laufen hat und gerne aus der gelebten Dystopie in eine andere (utopische) Realität abtauchen will, dem seien doch diese klassischen Hörspiele ans Herz gelegt. Es geht um einen starken Mann, der den Weltraum rettet:

Sehenswert
Wer vor lauter Playlists nichts mehr hören kann, dem sei versichert, dass Playlists nicht unbedingt aus Musik bestehen müssen. Es gibt sie auch mit Serien oder Filmen.

Bei der Netflix-Serie »Ozark« geht es um Geldwäsche. Hat teilweise gefühlsmäßig was von »Breaking Bad« (Kriminalität und Selbstfindung), tolle Schauspieler*innen und kurzweiliger Fun:

Ein, wenn nicht DER Klassiker des Serienuniversums ist »Heimat« von Edgar Reitz. Es geht um die Geschichte Deutschlands anhand verschiedener Biografien bzw. um unterschiedliche Biografien anhand der Geschichte Deutschlands. Wer es auftreiben kann, bitte:

Manchmal kann man ja nicht schlafen und dann zappt man durch allerlei YouTube-Müll. Hier ist ein weiterer unnötiger Kanal, allerdings erfüllt er seinen Zweck durchaus. Es geht um einen Metalldetektor:

Japanischer Filmklassiker, äußerst liebevoll erzählt, komplett mit Untertiteln usw.:

Lesenswert
Auf http://www.buecher.at/buylocal/ in Österreich bzw. https://www.buchhandel.de/ oder auch https://www.zvab.com in Deutschland kann man sich schön die Bücher besorgen, die man faulerweise sonst über einen anderen Versand bestellen würde. Empfohlen sei klassischerweise H. P. Lovecraft, dessen Leben und Werk by the way wunderbar und ziemlich interessant von Michel Houellebecq in dem neu aufgelegten »Gegen die Welt, gegen das Leben« porträtiert wird. Wenn es dann neben dem Lockdown noch richtig schön heiß wird, die Mücken schwirren und die Pollenallergie ballert, seien die ausschweifenden Romane von Gabriel García Márquez empfohlen, so man sie denn noch nicht kennt. Zum Beispiel »Liebe in Zeiten der Cholera«. Oder doch Octavia Butler mit ihren Dystopien. Oder Roberto Bolaño. Der wird sowieso viel zu wenig gelesen, obwohl »Die wilden Detektive« (und »2666«) doch die großartigsten Romane überhaupt sind. Halte meine Finger ins Feuer dafür.