»Berühmte Formeln«

Der Wissenschaftsjournalist Thomas Schaller hat mit »Die berühmtesten Formeln der Welt« ein leicht lesbares Buch zu kompliziert scheinenden physikalischen Zusammenhängen geschrieben.

Eigentlich wollte Thomas Schaller Popstar werden. Einige Versuche als Singer-Songwriter in verschiedenen Bands führen zwar zu Teilerfolgen bringen ihn dem großen Ziel aber nicht entscheidend näher. Nach Studienversuchen in den Fächern Mathematik, Informatik, Astronomie und Philosophie, kehrt er zumindest teilweise zur Musik zurück und es folgt Plan: Studium an der Musikhochschule Wien, Richtung Elektroakustik und Experimentelle Musik. 18 Jahre später, nach journalistischen Arbeiten für Falter und Ö1, scheint Schaller seine verschiedenen Erfahrungen in das nun vorliegende Buch zu gießen.

Von Einstein bis Hubble

Denn sein Buch »Die berühmtesten Formeln der Welt … und wie man sie versteht« liest sich so leicht wie ein gelungener Popsong ins Ohr geht. Schaller beweist, dass er mit der – ebenfalls dem Pop eigenen Verknappung – auf unterhaltsame und dennoch nicht oberflächliche Weise umgehen kann: Kaum einer der Texte ist länger als 10 Seiten, gerade Einstein widmet er 14 Seiten. Der Titel dieses Kapitels: Die berühmteste Formel der Welt, gemeint ist natürlich E = mc2, die Teil der Speziellen Relativitätstheorie ist.
Trotz der Kürze bleibt Substanzielles nicht auf der Strecke, viel mehr gelingt es dem Autor sogar immer wieder, autobiographisches der Wissenschafter in die Texte einfließen zu lassen. So erfährt man etwa, dass Edwin Hubble – ja, das ist der nachdem das Hubble-Teleskop benannt ist – ein schrulliger Wissenschafter gewesen sein dürfte: Er machte Milton Humason, einen ehemaligen Maultiertreiber und Pförtner des Mt.-Wilson Observatoriums, zu seinem persönlichen Assistenten. Mit ihm erkennt er, wofür er heute gemeinhin bekannt ist: Die beständige Expansion des Universums. Dabei machte sich Hubble die Erkenntnisse des österreichischen Wissenschafters Christoph Doppler zunutze, der Mitte des 19. Jahrhunderts an der Universität Prag gelehrt und dort den nach ihm benannten Doppler-Effekt entdeckt hat: Doppler … »sagte den Effekt zu seiner Zeit tatsächlich voraus.« Thomas Schaller schreibt weiter: »Christian Doppler erkannte, dass Wellen, die von bewegten Beobachtern registriert werden, ihre Frequenz gegenüber der Messung eines ruhenden Empfängers ändern müssen.«

Musik und Physik

Der Doppler-Effekt kann etwa bei einem vorbeifahrenden Auto beobachtet werden: Mit der Frequenzänderung geht auch eine Änderung in der Tonhöhe des Motorenklanges einher. Ein sich näherndes klingt hoch. »In dem Moment, in dem es vorbeifährt, schlägt der Ton um. Das sich entfernende Fahrzeug klingt plötzlich tiefer. Das ist der Doppler-Effekt.« Doppler behalf sich mit BlasmusikerInnen, die auf einem fahrenden Zug ihre Instrumente spielten mussten: Neben der Zugstrecke stehende MusikerInnen haben ihr geschultes Gehör eingesetzt und die von Doppler prognostizierte Absenkung der Tonhöhe tatsächlich festgestellt.
»Die berühmtesten Formeln der Welt … und wie man sie versteht« ist ein Buch, das allen an Naturwissenschaften Interessierten zu empfehlen ist, bietet es doch unterhaltsam geschriebene und spannende Einblicke in die Wissenschaftsgeschichte wie in die Physik. Ohne dabei an inhaltlicher Substanz einzusparen – und das ist im Wissenschaftsbereich immer von Vorteil.

Thomas Schaller: »Die berühmtesten Formeln der Welt … und wie man sie versteht«. S.200, €19,95, Ecowin: Salzburg: 2007

>> www.ecowin.at