Domotic

»Ask For Tiger«

Active Suspension/Target

Stéphane Laporte scheint angekommen zu sein. Sein zweites full-length Album ist ein Streifzug durch den Dschungel seiner früheren Veröffentlichungen, vereint alle nur denkbaren Einflüsse seiner Musikentwicklung angefangen bei seiner Beatles-Jugend, über 80ies-Noise und Lo-Fi-Geknister hin zum großem Pop der 90er usw. usf., wobei Laporte trotzdem immer seinen Elektronik-Wurzeln treu bleibt. Klingt verwirrend? Ist es aber nicht; im Grunde handelt es sich einfach um simpel-geniale, leicht verschrobene Popmusik. Domotic erinnert teilweise stark an den amerikanischen Soundbastler und Universal-Popkünstler Nathan Michel, wobei mir dieser Tiger zutraulicher, die Musik etwas leichter zugänglich erscheint. Und, ja, auch der Vergleich mit The Books drängt sich wieder einmal auf, die ja sehr oft stellvertretend für den (scheinbar willkürlichen?) Einsatz von Elektro-Schnipseln und »unfertigen« Samples gepaart mit sanften Melodien herhalten müssen. Allein die zuckersüße, schlichte Popmelodie in »Captain Forest’s Word Of Advice« bahnt sich geradewegs einen Weg in Herz und Gehirn, setzt sich dort fest und denkt nicht daran, dort so schnell wieder zu verschwinden. Und hier liegt gleichzeitig auch das kleine Grundproblem dieses Albums: Die Melodien sind teilweise schon zu naiv-dämlich, das ganze Album ein bisschen zu sehr als »großes Popwerk« angelegt, was leider allzu leicht als anbiedernd rüberkommt. Das kann natürlich ironisch gemeint sein, worauf etwa die halb-skurrilen Lyrics und Songtitel hinweisen (»I Hate You Forever«, »Animals Are Ugly And So Am I«, …) oder aber Stéphane Laporte bemüht sich ein wenig zu sehr darum, ernst genommen zu werden. Nichts desto Trotz ist »Ask For Tiger« die Dschungelexpedition auf jeden Fall wert.