Andere Welten

Peter Nigglis »Nach der Globalisierung – Entwicklungspolitik im 21. Jahrhundert« (Rotpunkt Verlag) zeigt Alternativen zu einer neoliberal globalisierten Welt auf. Ebenfalls bei Rotpunkt ist ein künftiges Standardwerk zur Karibik erschienen: Michael Zeuskes »Schwarze Karibik – Sklaverei, Sklavereikultur und Emanzipation«.

Jene Länder, die nicht der neoliberalen Doktrin einer globalisierten Weltwirtschaft unterworfen waren, haben die Wirtschaftskrisen der letzten Jahre besser überstanden als andere: Etwa die Tigerstaaten Asiens, Indien und China. In Indien leben zwar noch immer viele Menschen in Armut, aber das Land ist seinen eigenen Weg des Wirtschaftsprotektionismus gegangen, der die eigene Wirtschaft vor ausländischen Investitionen geschützt hat. Jetzt verfügt Indien – Stichwort Computerindustrie – über Millionen gut ausgebildete Bürger. Viele Länder Lateinamerikas sind hingegen in die wirtschaftliche Krise gerutscht: Argentinien war einer neoliberalen Privatisierungsstrategie zum Opfer gefallen, im Zuge derer gut laufende Staatsbetriebe ans Ausland ausverkauft worden sind, oft um nur zehn Prozent ihres tatsächlichen Wertes! Davon haben aber nicht breite Teile der Bevölkerung profitiert, sondern eine sich bereichernde Oligarchie aus korrupten Politikern und Wirtschaftsleuten.
Peter Niggli skizziert in »Nach der Globalisierung – Entwicklungspolitik im 21. Jahrhundert« die mögliche Alternative: Eigene Wege gehen, auch in der Wirtschaft. Die Botschaft lautet: Eine andere Welt ist möglich. Ein wichtiges Buch, das komplexe Zusammenhänge aufzeigt.
Ebenfalls bei Rotpunkt ist Michael Zeuskes »Schwarze Karibik – Sklaverei, Sklavereikultur und Emanzipation« erschienen. Der Autor ist Historiker und Lateinamerikaspezialist an der Universität Köln: Das 660 Seiten starke Buch wird in Zukunft ein Standardwerk sein, ist es doch die erste umfassende Darstellung der Geschichte der Sklaverei in der Karibik. Zeuske zeichnet ein Bild von 500 Jahren Unterdrückung und Rassismus, aber auch von kultureller Entwicklung. Ein Anknüpfungspunkt zu Niggli ist die Tatsache, dass Sklaverei der erste globalisierte Handlungszweig war. Sein Buch kann als Nachlese zum Jahr 2004, dem UNO-Jahr des Gedenkens an die Abschaffung der Sklaverei in Haiti (1804) dienen.
Band 12 der Österreichischen Forschungsstiftung für Entwicklungshilfe (ÖFSE) diskutiert wie in Zukunft die Bekämpfung der Armut in den so genannten Entwicklungsländern möglich sein wird. Franz Nuscheler vertritt in seinem Beitrag die These, dass Konzerne, die sich in der Entwicklungshilfe engagieren, zwar auch eigene Interessen verfolgen. Wegen der mangelnden Zahlungsbereitschaft der internationalen Staatengemeinschaft sei künftig die Zusammenarbeit zwischen öffentlichem und privaten Sektor, die so genannte Public-Private-Partnership (PPP), aber notwendig. Ein kontroversieller Band, der Interessierten auch als Einstieg in die Thematik dienen kann.

Peter Niggli: »Am Ende der Globalisierung – Entwicklungspolitik im 21. Jahrhundert« (140 S. 11,50€)
Michael Zeuske: »Schwarze Karibik – Sklaverei, Sklavereikultur und Emanzipation« (660 S. 27,30€ (beide Rotpunkt 2004)
>> http://www.rotpunktverlag.ch
ÖFSE (Hrsg.): Armutsminderung durch den Privatsektor? 100 S. 13€ (Bd. 12, Südwind 2004)
>> http://www.oefse.at